Sonntag, 25. Februar 2018

#tokyo2018 Tokyo Marathon 2018





Der biceps fermoris hielt - bis km 35...

Toller Marathon in Tokio - zwar nicht unter drei Stunden, aber durchgekommen!


Was wäre wenn?

Ja, was wäre gewesen, wenn ich mir nicht nach einer Woche Training ein Patellaspitzensyndrom eingefangen, dann eine hartnäckige Muskelverletzung im Beuger meines linken Beins zugezogen und zu guter Letzt nicht noch eine Woche vor dem Marathon am Ende doch noch die "Fregg" bekommen hätte?

"Wenn der Hund nit geschiss hätt, hätt er de Has kritt!" sagt man im Saarland.

Und so ist es.

Am Ende habe ich den Marathon in Tokyo durchgezogen, es hätte auch fast zur angestrebten Zeit unter drei Stunden gereicht, aber eben nur fast. Bei mir überwiegt die Freude darüber, dass ich ordentlich durchlaufen konnte, wenn ich auch am Ende rausnehmen musste, damit der Muskel hält. Aber dazu später mehr...

Unsere interAir-Gruppe morgens vor der Abfahrt zum Start
In einer verseuchten Vorbereitung, die aber auch ihre Höhepunkte hatte (neun Tage vor dem Marathon zeigte mir meine Trainingsauswertung die besten Fitnesswerte, die ich jemals hatte), nur um dann wieder in tiefste Tiefen zu stürzen (als ich dachte, jetzt käme nur noch "Tapering", schlugen die "Fregg" und der biceps fermoris wieder gandenlos zu) bereitete ich mich eigentlich konsequent vor, aber durch die Verletzungen gelangen mir keine verwertbaren Vorbereitungsläufe (bzw. in einem solchen verletzte ich mich noch am schwersten) und trotz erfolgreicher Gewichtsreduktion (77,5 kg vor dem Abflug waren schon 'ne Nummer, nachdem ich Anfang November 2017 noch 85,6 kg wog) machte mir mein "schwacher Rücken" letztendlich den Garaus. Die letzte Blockade des ansonsten recht gut geheilten linken Beinbeugers kam nämlich nach Übereinstimmung aller damit befassten Physiotherapeuten aus dem Rückenbereich, wo schwache Muskulatur sowie eine Schonhaltung aufgrund der Verletzungen an Patellasehne und Beinbeuger eine ungute Mixtur ergeben hatten.

Merke: In zukünftigen Vorbereitungen wird das Rückentraining eine wesentlich größere Rolle spielen!

Mittwochs ging's mit der interAir-Reisegruppe nach Japan, Donnerstags kamen wir an, alles war von Achim und seiner Crew perfekt organisiert, das Hotel war klasse, das Programm auch, und so fasste ich doch wieder Mut, zumal ich hier sogar einen guten Physiotherapeuten fand, der die gute Arbeit von Jörg Hüther-Funk fortsetzte und mich am Ende wenigstens so fit machte, dass ich starten konnte.

Freitags gingen wir zusammen auf die Marathonmesse, und auch Samstags wurde es nie langweilig, der Friendship Run und eine schöne Stadtrundfahrt mit Startbesichtigung sorgten für Abwechslung.

Bald sollte es losgehen!
Sonntags morgens um 6 Uhr stand ich auf, weil ich da ohnehin wach wurde, und trotzdem ich ursprünglich eigentlich alleine los und nicht schon um 07.15 Uhr, zwei Stunden vor dem Start, dort sein wollte, fuhr ich dann doch mit der Gruppe. Das war auch gut so, ich hatte gut gefrühstückt, mittlerweile ist das schon Routine, und fühlte mich auch recht gut. Mir war aber klar, dass die Situation mit meinen Beinmuskeln, vor allem dem Biceps fermoris links, aber auch den Waden, nicht planbar war.

Ob der "kritische" Muskel 5, 15, 25 oder 35 Kilometer halten würde (oder mit ganz viel Glück vielleicht sogar den ganzen Marathon durch) konnte ich nicht vorhersagen. Die Fitness war ansonsten gut.

Ich entschied mich also für eine Renntaktik, mit der ich knapp unterhalb der Sub3-Durchgangszeiten loslaufen wollte, und dann halt hoffen, dass der Muskel hielt oder wenn nicht, rechtzeitig so rausnehmen, dass ich wenigstens ordentlich durchkam.

Bevor ich aber zum Rennen komme, noch einige Worte zu Japan und Tokyo:

Eigentlich habe ich mich für den fernen Osten und seine Kulturen  bisher nie so recht interessiert.

Erst in den letzten Jahren wuchs meine Neugier, nicht zuletzt wegen des anstehenden Marathons. Jetzt, wo ich hier bin bzw. war, bin ich richtig "angefixt". Das ist ein solch besonderes Land mit soviel interessanten Facetten, dass ich jetzt schon weiß, dass ich zurückkommen werde. Die Leute sind überaus kultiviert, freundlich und hilfsbereit, aber vieles ist halt total anders als bei uns.

Stolz auf die fünfte MajorSix-Medaille!
Hier in Tokyo wird die Fußgängerampel rot, und alle bleiben stehen, wirklich alle, auch die, die es eilig haben, weil sie genau wissen, dass es in einer so dicht besiedelten und eng getakteten Stadt anders nicht funktioniert.

Mülleimer sucht man im öffentlichen Bereich meist vergebens, trotzdem ist die Stadt äußerst sauber.

Pünktlichkeit, Genauigkeit und Höflichkeit sind hochangesehene Tugenden, die jeder, wirklich jeder lebt und verinnerlicht hat.

Trotzdem gibt es auch hier arme Menschen, auch Obdachlose. Aber auch denen gegenüber begegnet man mit Respekt und Höflichkeit, keiner wird komisch angesehen.

Das Essen ist vielfältig und schmeckt ausgezeichnet. Japan und Tokyo sind echt eine Reise wert!

Kurz vor 9 Uhr stand ich im Startblock, und nach dem Start der Rollstuhlfahrer ging es um 09.10 Uhr los. Natürlich pünktlich!

1:34 nach dem Startschuss überquerte ich die Startlinie, der erste Kilometer lief noch etwas holprig, weil es recht eng war, aber dann rollte es gleich gut. Die 4:26 vom ersten Kilometer hatte ich schon nach dreien raus und baute meinen Vorsprung auf die Sub3-Zeit kontinuierlich aus. Das Laufen fiel mir auch total leicht, der Muskel schnurrte, und ich war guter Dinge.

Nach fünf Kilometern hatte ich mit einer 20:22 schon fast eine Minute Vorsprung auf die angestrebten 21:30, und obwohl ich mich zu zwingen suchte, etwas ruhiger zu laufen, liefen auch die nächsten drei Fünferblöcke mit 20:51, 21:00 und 21:02 schneller als geplant.

Ich empfand das aber nicht als problematisch, weil die Pulswerte ordentlich niedrig blieben und ich mich prima fühlte. Bei Kilometer zehn sah ich eine InterAir-Supportergruppe und winkte, alles super! Nach 20 Kilometern lag ich 1:45 vor der Sub3, und die Halbmarathonzeit von 1:28:00 zeigte schon einen Vorsprung von 2 Minuten!

Nach dem Marathon ein Fußbad - herrlich!
Der Marathon in Tokyo ist so angelegt, dass man fast ständig auf der gegenüberliegenden Seite Läufer sieht, die entweder vor einem liegen oder eben dahinter. Ich sah z.B. bei km 18 die Spitze nur wenige Meter von mir entfernt, die waren da schon bei km 25. Ansonsten fehlen aber imposante Ausblicke auf markante Stadtteile oder Gebäude wie beispielsweise in New York oder Chicago fast völlig. Man sieht halt Straßen und Häuser, davon aber jede Menge.

Und a propos Zeitmessung: Die Garmin-Zeiten konnte man natürlich wieder voll vergessen. Hochhäuser killen einfach die GPS-Genauigkeit, das Gerät maß 44,15 km, so waren natürlich auch die Durchgangszeiten viel zu schnell, was ich dadurch zu korrigieren versuchte, dass ich, wenn das Gerät nach 0,95 km den vollen km verkündete, eben wieder abdrückte, wenn wir tatsächlich an der Marke vorbeikamen. So konnte ich wenigstens die Zeit um Auge behalten...

Ich versuchte mich auch nach der Halbmarathonmarke zu bremsen, aber die Beine wollten einfach laufen. Trotzdem gelang es mir, jetzt einigermaßen konstante 4:15er-Zeiten pro Kilometer zu laufen.

Ich war echt guter Dinge, aber ab km 27 merkte ich, dass die Waden doch hart wurden, speziell die linke. Dass das nicht Gutes bedeuten würde, war mir klar, und so war ich auch nicht überrascht, als der biceps fermoris nach 29 km erstmals einen leichten Stich vermeldete.

Mist! Eingedenk meines komfortablen Vorsprungs nahm ich etwas Tempo raus und lief "nur noch" 4:20/4:25er-Zeiten, aber das brachte nur wenig Linderung. Hätte sonst gereicht, aber hätte, hätte, Fahrradkette...

Bei km 34 gab es wieder einen Stich, diesmal schmerzhafter, und ich wußte, dass ich, wenn ich jetzt weiter Druck machen würde, bestenfalls noch 2-3 km weiter käme. So begann ich schweren Herzens bei km 35 richtig Tempo rauszunehmen und mich von der Sub3 zu verabschieden.

Ich lief genau so schnell, dass der Muskel noch funktionierte, die Grenze hatte ich ganz gut im Gefühl. Dass er mich dann doch so weit getragen hatte, war ein großes Glück - wenn er bereits nach 25 km "aufgegeben" hätte, weiß ich nicht, ob ich die Nerven gehabt hätte, noch 17 km zu "walken".

Auf der Post-Marathon-Party: Thunfischsezierung live!
Trotzdem ärgerte ich mich ein wenig, da ich von der Kondition her locker hätte in Richtung 2:55/2:56 laufen können. Doch wenn der Marathon ein Auto wäre, gehörte zu ihm nun mal nicht nur der Motor, sondern auch das Fahrgestell.

Aber der Ärger verflog schnell - ich genoss so eben die letzten sieben Kilometer und nahm die vielen tollen Eindrücke viel besser auf, als wenn ich im "Tunnel" gerannt wäre.

Der letzte Kilometer war besonders schön - wir liefen durch eine enge Gasse, an deren Ende nach einer Linkskurve das Ziel direkt vor uns lag.

Nach dem Zieldurchlauf war ich erst mal total glücklich, dass es zu einem respektablen Finish gereicht hatte. Hinter den fünften MajorSix-Marathon kann ich jetzt einen Haken machen - und Berlin bin ich ja auch erst im zweiten Versuch unter drei Stunden gelaufen...

Samstag, 24. Februar 2018

#tokyo2018 #51 Tokyo Marathon Friendship Run



Vorsichtige Generalprobe

Lockerer Lauf, Entspannung und Physiotherapie am Vortag des Marathons


Die Geschichte des heutigen Tages erzähle ich schnell, weil ich heute früh ins Bett will.

Morgens ging's nach dem Frühstück mit fast der ganzen Gruppe in lustigen Verkleidungen zum Friendship Run, einer Riesengaudi nahe der Marathonmesse, den ich in knapp zwanzig Minuten ganz locker lief, alles scheint gut.

Bei mir: Peter Ciaccia, Race Director des NYC Marathons
Nachmittags gab's dann noch ein Entspannungsspaziergang in den wunderschönen Hamariku-Gärten und und einen gestern abgemachten Termin beim Physiotherapeuten.

Miura half mir nochmal, meinen biceps fermoris und vor allem mein Becken locker zu machen.

Den Tag beschloss ich mit einigen aus der Gruppe bei der gemeinsamen "Henkersmahlzeit", leckeren Spaghetti mit Basilikum und Mozzarella.

Morgen ist Zahltag!

Freitag, 23. Februar 2018

#tokyo2018 #50 Lockerungslauf mit der interAir-Gruppe



Alles locker, alles gut?

Die Anspannung steigt jedenfalls...


Nach nun fast fünf Tagen Laufpause seit dem letzten Rückschlag und mittlerweile im Land des Lächelns angekommen wagte ich heute morgen bang und ängstlich meine ersten Laufversuche.

Die interAiris, vorne Isaak (Fotograf) und Achim (Häuptling)
Vorweg: Es klappte ganz gut, ich denke schon, dass ich am Sonntag zumindest mal alles geben kann. Sollte der Muskel wieder "versagen", hoffe ich zumindest, dass er es nicht allzu früh tut und ich dann irgendwie (evtl. nach Behandlung und sehr langsam) finishen kann. Ansonsten bin ich verhalten optimistisch, warum, erkläre ich gleich noch.

Zur Vorgeschichte dieses Laufs:

Am Mittwoch begann ich mein Abenteuer, schon morgens ging's mit dem Zug von Neunkirchen nach Frankfurt, nachdem ich mich zuerst von meinen Töchtern, die in die Schule gingen, und schließlich von meiner Frau, die mich zum Bahnhof brachte, verabschiedete. Morgens war ich nochmal bei meinem Physiotherapeuten Jörg gewesen, der mich nochmal lockermachte und ermutigte, mir keinen allzu großen Kopf zu machen, Biceps hin, fermoris her.

Vor dem Kaiserpalast - hier darfste nit rein!
Dann ging's gemütlich mit dem Zug über das Nahetal nach Frankfurt, ich checkte sehr früh ein und konnte so noch ein Upgrade ergattern, dass mir sehr half: Premium Economy mit jeder Menge Beinfreiheit - perfekt!

Dann ging's noch auf einen Besuch zur Firma Sinn gemeinsam mit dem amerikanischen Generalkonsul James "Jim" Herman, der sich sehr beeindruckt vom Unternehmen des gebürtigen Neunkircheners Lothar Schmidt und seiner Beschäftigten zeigte. Das freute mich natürlich sehr.

Im Anschuss fuhr ich erneut mit dem Taxi auf den Flughafen und kam genau pünktlich, um die Sicherheitskontrollen und das Boarding hinter mich zu bringen - bei letzterem traf ich schon meine Laufgruppe von interAir, lauter nette Laufkolleginnen und -kollegen, auch Irina Mikitenko war mit dabei!

Auf der Messe mit Irina, zweifache WMM-Siegerin, die
immer noch den deutschen Marathonrekord hält
Der Flug mit Lufthansa dauerte ca. 11 Stunden, verging "wie im Flug" und war sehr angenehm. Das Upgrade hatte sich definitiv gelohnt, wie mir später andere Teilnehmer meiner Größe, die "hinten"saßen, berichteten. Es muss da schon, wenn auch nicht unerträglich, so aber doch eng gewesen sein...

In Tokyo angekommen, ging alles recht fix, und nach den Kontrollen und dem Gepäck-Pickups waren wir flugs im Bus, wo uns Achim von interAir begrüßte und informierte, und dann auch schnell im Hotel Villa Fontaine im Shiodome, einem gigantischen Büro-, Geschäfts-, Restaurant- und Hotelkomplex.

Nach einer Infoveranstaltung ging's dann noch gemeinsam zu Fuß zum Tokyo Tower. Der Tip von Achim, da unbedingt mitzugehen, um so richtig müde zu werden und dem Jetlag entgegenzuwirken, war Gold wert.

All in am Sonntag - Sub3 or bust!
Außerdem bestand so Gelegenheit, viele der Laufkolleginnen und -kollegen kennenzulernen. Nach dem Besuch, der tolle Aussichten offerierte, besorgte ich mir noch etwas zu essen und ging rechtschaffen müde ins Bett, um wie ein Baby acht Stunden zu schlafen.

Heute morgen ging's dann nach dem Frühstück, das sehr reichhaltig und lecker war, mit Achim, Irina und allen anderen auf einen lockeren Lauf, der zunächst etwas holprig war, bis wir aus dem Geschäftsdistrikt draussen waren. Ab dem Hibiya Park konnte man aber flüssig laufen, und ich fasste etwas Mut, weil mein Problemmuskel doch recht gut mitspielte.

Es ging vorbei am Kaiserpalast und in Richtung Zielbereich des Marathons, wo Achim uns noch einiges erklärte, und dann bei leichtem Regen zurück. Danach war ich wirklich richtig locker, wir machten uns alle fertig und brachen gemeinsam zur Marathonmesse auf, die wie bei solchen Marathons mittlerweile üblich zwar perfekt organisiert, aber auch nicht wenig anstregend war. Wir hatten uns alle eine "Pasmo-Card" besorgt, mit der man im hervorragend organisierten ÖPNV Tokyos immer überall hin kommt.

Akuma von Re.Ra.Ku hat mich richtig locker gemacht!
Nachmittags machten wir auch noch eine gemeinsame Stadtrundfahrt mit U-Bahn und Monorail, wobei wir auf das Regierungsgebäude fuhren, wo man im 45. Stock ein tolles Panorama genießen kann (leider sah man den Mount Fuji wegen Nebels in den Außenbezirken Tokyos nicht - in der Stadt schien die Sonne).

Hier waren wir auch gleich am Start des Marathons und konnten den in Augenschein nehmen, dann ging's noch zum Bahnhof Shibuya, wo wir uns nicht nur die Statue des berühmten "treuen Hundes" Hachikō ansahen, sondern auch den wimmelnden Bezirk, der auch "der Times Square Tokyos" genannt wird.

Danach ging's nach Hause, am Ende des Tages hatte ich dann doch fast 22.000 Schritte zusammen.

Blick auf den Yoyogi Park, links das neue Olympiastadion
(welches gerade entsteht, man sieht's an den Kränen!)
Morgen dann werde ich beim "Friendship Run" meine neuen Wettkampfschuhe testen, ich hab ich entschlossen, was zu wagen und mit meinen neuen ON Cloudflow am Sonntag aller Vernunft zum Trotz die drei Stunden anzugreifen.

Ich hab einen guten Physio hier gefunden, der mich bereits heute auf der Messe ordentlich malträtiert hat (sowas hab ich noch nie erlebt, aber meinem Bein ging's danach 100% besser!) und morgen nochmal ein wenig nachsteuern wird.

Mal sehen, ob's hilft. Falls ich mit der Taktik scheitere, versuch ich halt, den Marathon irgendwie zu Ende zu bringen. No risk, no fun!

In jedem Fall ist das bisher ein tolles Erlebnis. Die Reise, vor allem mit dem Super-Team von interAir, hat sich echt gelohnt!



Sonntag, 18. Februar 2018

#tokyo2018 #49 Langer Lauf ganz kurz - Goodbye, Sub3?



Und wieder der Beinbeuger

Jetzt kommt's auf die richtige Taktik und meine Helfer an!


Das Leben ist ein Auf und Ab. Meins auch. Vor drei Tagen noch himmeloch jauchzend, heute zu Tode betrübt. Vor drei Tagen noch VO²Max 65, fit wie ein Turnschuh, dann kam die "Fregg", die ich bisher trotz Grippewelle, Faasend und allem anderen weitgehend vermieden hatte, und schlug zu.

Das Denkmal für die ermordeten Juden in Berlin
Hinzu kamm überbordernder Optimismus aufgrund der scheinbar guten Heilung meines biceps fermoris im linken Oberschenkel und letztendlich dann "full go" im Training diese Woche mit 5000er-Einheiten im Sub3-Marathontempo sowie Läufe mit Steigerungen, die aber am gestrigen Samstag schon andeuteten, dass da was nicht stimmte (zusammen mit der Erkältung).

Ich wog mich in die trügerische Sicherheit, dass ich ja schon "an Land" sei, da nun keine harten Einheiten mehr bevorstehen, und dass der Muskel, wenn er bis jetzt gehalten hat, auch bis Tokyo halten würde.

Tja. Heute war ein geschäftiger Tag, Aufstehen um 5 Uhr, Einsatzleitung bei der Bombenentschärfung in Neunkirchen, Flug nach Berlin, Transfer ins Hotel, umziehen, loslaufen.

Ich dachte ehrlich, die lockeren 27 km in 5:20/km würde ich auf einem Bein abjoggen können. Ich fühlte mich trotz leichter Schwächung durch die Erkältungsfolgen auch gut und lief den ersten Kilometer richtig schnell (wie immer in Berlin). Im Tiergarten angekommen, suchte ich mir meine Pfade und drehte die erste Runde, alles schien problemlos. Auch wenn mir die Garmin wieder schlechtere Fitnesswerte anzeigte als gesternn, schob ich das auf die "Fregg", die um übrigen schon wieder abklingt.

Alles gut, der Lauf machte Spaß (auch wenn ich mich auf dem Rückweg in der Hofjägerallee kurz verlief), und nach dem Brandenburger Tor ging ich auf die zweite Runde. Plötzlich und unerwartet machte der Muskel wieder zu. Mist! Der Schmerz war nicht annähernd so schlimm wie vor Wochen in Köln, und ich trabte noch locker 200m weiter, aber ich wußte sofort, was für Konsequenzen das haben würde.
Laufparadies Tiergarten

Ich spazierte dann frustriert durch den Park zurück ins Hotel, duschte und rieb mir den Oberschenkel auf der Rückseite mit Finalgon ein.

Jetzt geht das große Zweifeln los, und das sieben Tage vor dem Marathon. War's nur eine Verhärtung, Folge der Erkältung und des Stresses (bei sehr kalten Temperaturen in Berlin, nahe 0° C, was auch sicher nicht gut für den Muskel war, und ordentlich warmgemacht hatte ich mich auch nicht)? Die Erkältung hat mit Sicherheit nicht geholfen. Sie hat sie mir meinen VO²Max-Wert nochmal auf 60 runter gedrückt - immer noch ein toller Wert, aber er geht eindeutig in die falsche Richtung...

Oder war's doch mehr? Hat der starke Gewichtsverlust (9 kg weniger in 12 Wochen) vielleicht auch für einen Mangel gewisser Nährstoffe gesorgt (Magnesium, Kalzium)?

Das werde ich in den nächsten Tagen herausfinden. Das Training stelle ich erst mal ein und lasse dem Muskel Zeit, locker zu werden. Ansonsten wird mir mein Physio, meine Apothekerin und mein Doc schon helfen - da hab ich Vertrauen.

Und aller Voraussicht nach werde ich jetzt endgültig vom meinem Sub3-Ziel Abstand nehmen. Was nicht sein soll, soll nicht sein. Lieber in Tokyo durchlaufen, den Marathon genießen und einen Haken dranmachen, als wie der Teufel loszulaufen und nach 13 km mit "strackem Bein" aufgeben zu müssen.

Samstag, 17. Februar 2018

#tokyo2018 #48 Eiskalte und nicht ganz so lockere 70 Minuten mit Steigerung


Kein so guter Tag heute...

Die Erkältung schlägt zu


Vorgestern lief ich im Training so gut, dass ich fast schon euphorisch wurde. Aber das Leben besteht immer aus Auf und Ab, und das ging schnell: Bereits am Donnerstag abend kratzte es im Hals, ich fühlte mich schlapp, muste viel und oft husten und das wurde auch am Ruhetag (Freitag) nicht besser.

Es wurde gerade hell, als ich auf die letzte Runde ging
Heute ging der Tag bereits morgens um 09.00 Uhr mit Terminen los, also stellte ich mir den Wecker früh und war gegen 07.00 Uhr schon an der Halde, um die geforderten 70 Minuten in 5:30/km mit Steigerungen abzureißen.

Schon auf den ersten Metern merkte ich, dass ich richtig schwere Beine und überhaupt keinen "Flow" hatte.

Das Laufen fiel mir schwer, und auch meine eigene Tempoeinschätzung, gemessen an meiner Anstrengung, lag völlig daneben: Ich war einfach völlig unfit und lahm.

Ich schnaufte, und die Füße wollten einfach nicht rollen. Da wußte ich eigentlich schon direkt, was Sache ist.

An der kältesten Stelle: Der wenige Schnee blieb gleich liegen
Der Puls war viel zu hoch, und auch der biceps fermoris links, also mein Problemmuskel, fühlte sich nicht gut an.

Meine Uhr zeigte mir ein "-7" auf der Fitnesstrendskala, und so fühlte ich mich auch. Ich lief die Einheit durch, ab 2,5 km alle 500m eine kurze Steigerung bis 2,5 km vor Schluß (14 insgesamt), aber da lief nichts rund.

VO²Max runter auf 61 (nach 65 am Donnerstag!) - ganz klar, die "Freck" hat mich im Griff.

Ob ich den letzten langen am morgigen Sonntag laufe, hängt ganz davon ab, wie ich dann drauf bin...

Jetzt bloß nicht die Nerven verlieren. Bis Tokyo nächsten Sonntag ist noch massenhaft Zeit!

Donnerstag, 15. Februar 2018

#tokyo2018 #47 Zweimal 5 km im Marathontempo, VO²Max 65! Jesses!


Wo soll das noch hinführen?

Härtetest gewagt und bestanden


Gestern Ruhetag und Sonne, morgen Ruhetag und Sonne - und ausgerechnet heute musste ich die letzte richtig harte Einheit vor dem Beginn des Taperings im Hinblick auf den Wettkampf in Tokyo am 25.02.2018 abreißen. Ich hatte aber Glück - in dem Zeitfenster der Mittagspause, das ich freischaufeln konnte, regnete es nur ganz leicht.

Nach den ermutigenden Tests der letzten Tage hatte ich mich heute morgen entschieden, den Muskel testweise doch mal mit Wettkampfbedingungen zu belasten - also Sub3-Marathontempo zwischen 4:10/km und 4:15/km zu laufen.

Letzte Einheit dieser Vorbereitung im Wagwiesental!
Der Kompromiss mit der Vorsicht - statt der drei geforderten lief ich nur zwei Intervalle. Das passte mir auch deshalb gut, weil ich ohnehin nicht viel Zeit hatte. Der Tag war ziemlich vollgepackt mit Terminen.

Nach zwei Kilometern Einlaufen lies ich rollen - und es rollte! Ich fühlte mich toll! Gewichtsmäßig bin ich mittlerweile bei 79 kg angekommen und hab mich dort festgebissen, und da ich seit Mittwoch, dem Beginn der Fastenzeit, mein Fastengelöbnis ernst nehme und 40 Tage lang auf Alkohol, Warmblüterfleisch und Süßigkeiten verzichten werde, habe ich keine Zweifel, dass ich es auf mein Ziel von 78 kg Wettkampfgewicht am 25.02. packen werde - eventuell sogar noch ein wenig drunter. Unglaublich, was eine solche Reduktion bewirkt, ich konnte das Marathontempo superlocker halten, und auch der Muskel zeigte überhaupt keine negativen Anzeichen.

Genau 21 Minuten brauchte ich für die fünf Kilometer - dann acht Minuten Gehpause, und dann nochmal genauso lockere 12,5 Runden um die Bahn.

Am Ende war ich total baff: VO²Max 65, nachdem ich vorgestern schon mit 63 einen neuen persönlichen Rekord aufgestellt hatte. Meine Uhr meint mittlerweile, ich müsste die fünf Kilometer in 15:50, die zehn in 33:00, den Halbmarathon in 1:12:50 und den Marathon in 2:32:26 laufen. Das ist dermaßen fern vom Stern, dass ich schon drüber lachen muss. Aber total fit fühle ich mich trotzdem, und noch viel wichtiger: Der Muskel macht alles mit!

Mittlerweile bin ich sehr guter Dinge, dass ich es in Tokyo wagen kann, den fünften Sub3-Marathon der Major-Six-Reihe anzugehen!

Morgen nochmal Ruhe, Samstag 70 Minuten Dauerlauf in 5:30/km mit Steigerungen, Sonntag der letzte lange Lauf der Vorbereitung (27 km in 5:20/km). Tokyo gerät in Sichtweite!

Dienstag, 13. Februar 2018

#tokyo2018 #46 Zehn schnelle Kilometer superlocker, VO²Max 63!


Die Rekorde purzeln...

Höchster VO²Max-Wert ever!


Heute wollte ich zum ersten Mal riskieren, die Zügel etwas zu lockern und deutlich unter 4:25/km zu laufen. Am Sonntag klappte das als "Finale" meines langen Laufes schon ganz gut, und mittlerweile habe ich auch einiges an Vertrauen in meinen genesenden linken biceps fermoris gesammelt.

Sonnenuntergang überm Solarfeld am Brönnchesthalweiher
Irgendwo im Kopf steckt aber immer noch die Angst, dass der Muskel wieder "zu geht" und mir so vielleicht sogar den Start in Tokyo vermasseln könnte.

Ich habe in den letzten Wochen aber, denke ich, ganz gut gelernt, in meinen Körper "hineinzuhören", und heute hatte ich einfach ein gutes Gefühl, mal ein wenig Gas zu geben.

Nach zwei Kilometern einlaufen startete ich auf den ersten drei Kilometern der "Zehner-Distanz" mit 4:19/km schon fast im Marathontempo, nahm danach bewußt etwas Tempo raus, hielt aber bis zum Ende ohne jedes Problem einen 4:23er-Schnitt.

Das tat richtig gut! Der Muskel machte überhaupt keine Andeutungen einer Überbelastung, nichts tat weh, ich hätte locker auch noch einiges draufpacken können. Und am Ende warf mir die Uhr sogar noch einen Rekordwert für die VO²Max-Messung aus: 63! Soviel hatte ich noch nie!

Fast schon schade, dass morgen Ruhetag ist...