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Samstag, 20. August 2016

#chicago2016 #14 - Letzter Regenerationslauf mit Wehmut - ci torneremo!

#chicago2016 #14 - Letzter Regenerationslauf mit Wehmut - ci torneremo!




Abschiedslauf

Eine viel zu kurze Woche am Gardasee geht zu Ende


Nach acht Tagen Urlaub, sieben davon am Gardasee, geht's heute nach Hause. Aber in aller Frühe blieb noch Zeit für einen letzten Regenerationslauf...

Unser letzter Sonnenaufgang am Gardasee 2016
Ich lief in Richtung Desdenzano, dann wieder zurück in Richtung Ausfallstraße aus Sirmione hinaus. Direkt gegenüber suchte ich nach einer Verbindung über die Felder nach Colombare, fand aber keine, so dass ich dann doch entlang der Hauptstraße in den Ort lief, und dann direkt durch auf die ortsprägende Halbinsel mit ihrem historischen Zentrum am Ende.

Dort gelang mir auch noch ein besonders stimmungsvolles Foto von der aufgehenden Sonne, das fast symbolisch für einen sehr gelungenen Urlaub steht. Auch die Vorbereitung auf den Marathon hat nicht gelitten, im Gegenteil.

Auf mittlerweile bekannten Pfaden lief ich dann zurück zu unserem Bungalow. Nach exakt 70 Minuten, wie gefordert, war ich wieder zurück. In der Woche war ich sechs Mal laufen, insgesamt 65 km, und dazu noch 263 km Radfahren. Ich denke, das hat dann auch gereicht...

Donnerstag, 18. August 2016

#chicago2016 #13 - 3 * 3 km im Wettkampftempo

#chicago2016 #13 - 3 * 3 km im Wettkampftempo






Ich taste mich heran...

Langsam wird's mit dem Wettkampftempo

Nach der langen und anstrengenden Fahrt über den Monte Baldo am Mittwoch habe ich gestern den ersten Ruhetag seit fast einer Woche genossen - und auch gebraucht. Heute morgen standen aber wieder Intervalle an - 3 * 3 km im Wettkampftempo von 4:15/km.

Morgenläufe sind zwar hart, aber wenigstens kühl...
Ich lief mich bis zur mir bereits bekannten Runde durch Weinanbaufelder und ein angrenzendes Wohngebiet ein - eine Runde dort hat 1,7 km.

Das erste Intervall lief ich fast locker, beim zweiten musste ich schon ein wenig kämpfen - die Müdigkeit in den Beinen kam nun doch durch.

Das dritte konnte ich bis zur Hälfte nahezu in Wettkampftempo laufen, ließ dann aber bewußt nach - ich war echt am Limit, und wollte auch keine muskuläre Verletzung riskieren. Am Ende fehlten mir auf die 3 km dann 30 sec. am Wettkampftempo - das ist verkraftbar.

Das Auslaufen kürzte ich ein wenig ab, so dass ich in etwas mehr als einer Stunde fertig war. Reicht für heute! Es bewegt sich alles in die richtige Richtung, da bin ich ganz optimistisch.

Mittwoch, 17. August 2016

Monte Baldo: Über die Hänge des Nunataks

Monte Baldo: Über die Hänge des Nunataks





Die Fahrt als Animationsfilm von relive.cc



Königsetappe am Gardasee

Das war die schönste Eintagestour, die ich je gemacht habe!



Vor der Abfahrt
Nachdem ich am vergangenen Sonntag die Westseite der Berge um den Gardasee erkundet hatte, stand heute ein Ausflug auf den Monte Baldo an. Meine Beine hatten sich vom Sonntag trotz zweier Lauftrainings zwischendrin einigermaßen gut erholt, und so ersetzte ich den 100-Minuten-Lauf des heutigen Tages im Trainingsplan von Herbert Steffny guten Gewissens durch diese Tour.

Meine Frau und die Mädels fuhr ich vorher aber noch zum "Alternativprogramm" ins Gardaland bei Lazise am Ostufer. Direkt nach der Rückkehr packte ich mir die Taschen mit Mampf und Trunk voll und fuhr los.

Auch hier, wie schon am Sonntag: Die ersten 25 km waren zwar flach und recht locker zu fahren, aber aufgrund der völlig verstopften Straßen alles andere als stressfrei.

In Peschiera del Garda
Wo ich konnte, wich ich auf Radwege aus, aber ich war froh, als ich endlich in Garda angekommen war und die SR249 verlassen konnte, indem ich rechts auf die SP8 abbog.

Es ging erstmal auf 3 km ca. 180 hm nach oben, ehe ich bei Costermano auf eine ca. 4 km lange schnurgarde Straße kam, die mich nach Caprino Veronese führte. Hier begann der Anstieg nun richtig!

Ich verließ kurz vor dem Ortsausgang allerdings die SP8 (oder auch die "Via Enzo Ferrari", benannt nach dem Patron der berühmten Autofabrik) für eine Zeitlang und fuhr über Hinterlandstraßen durch eine wunderschöne Landschaft hinauf nach Villmezzano und rechts vorbei am Monte Braggo (572 m über N.N.), ehe ich wieder auf die Hauptstraße kam.

Kurz vor Villmezzano
Ab dort windet sich die Straße in wunderschönen Kurven mit 5-8% Steigung recht gleichmäßig nach oben und gibt immer wunderschöne Blicke hinunter ins Hochtal  des Flusses Tasso bis sogar zum Gardasee frei. Die Qualität der Straßen ist übrigens durchgehend gut: Ob Seiten- oder Hauptstraße, es gab kaum Schlaglöcher oder Schmutz. Klasse!

Beim Befahren der Strecke wird einem klar, warum sie nach Enzo Ferrari benannt ist: Das einzige, was vielleicht noch mehr Spaß machen könnte, als sie mit dem Rennrad zu erklimmen, wäre eine Bergauf-Tour in einem roten Sportwagen der Nobelmarke...

Blick von der "Via Enzo Ferrari" zurück zum Gardasee
Sechs Kilometer dauerte dieser Streckenabschnitt, knapp 350 hm überwand ich dabei in 25 Minuten. Nun kam ich an den Ortseingang des schönen Bergdorfes Spiazzi.

Hier hat man die Qual der Wahl: Entweder man fährt links, dann kommt man auf eine teils bewaldete, gleichmäßig ansteigende Strecke entlang der Quellbäche des "Torrente Tasso" auf eine Hochebene - bei mäßiger Steigung, 270 hm auf sieben Kilometern (SP8 dir). Das war es auch, was ich an diesem Tag machte.

Die spektakulärere Alternative (die ich einige Tage später auf der Heimfahrt mit dem Auto erkundete) ist der Verbleib auf der SP8.

Die "SP 8 dir" zwischen Spiazza und Ferrara Monte di Baldo
Nach wenigen Metern in Spiazzi eröffnet sich einem in der Ortsmitte ein atemberaubender Blick ins 700m tiefer gelegene Tal der Adige (Etsch).

Dann geht es zunächst mal ca. 150 hm hinunter nach Ferrara di Monte Baldo, ein wie an den Hang geklatschtes Bergdorf, wo man ab der Ortsmitte entweder über einige brutale Kehren mit teilweise 20% oder über die SP8 mit einem kleinen Umweg, aber mäßigerer Steigung über das "Oberdorf" wieder auf die Strada Provinciale Monte Baldo kommt. Das sind dann 420 hm.

Ab dort, wo sich SP8 und SP8 dir wieder treffen, warteten die letzten 5,9 km bis zum höchsten Punkt der Strecke auf mich, die zwischen 1.550 und 1.600 m über N.N. liegt (so genau ist das kaum rauszukriegen, da hier acht Quellen acht Ergebnisse liefern).

Beeindruckende Panoramen überall
Einigen wir uns mal auf ca. 500 Höhenmeter - es war schon ein anstrengender Ritt. Nach zunächst mäßigem Anstieg gelangt man zum Rifugio Novezzina am "Orto Botanico di Monte Baldo", woran sich die Bezeichnung "Nunatak" für den "kühnen Berg" erklären lässt:

Nunatak bezeichnet in der Glaziologie einen isolierten, über die Oberfläche von Gletschern und Inlandeismassen aufragenden Felsen oder Berg.

Die „Nunatakhypothese“ geht davon aus, dass in den während der Eiszeiten vereisten Gebieten Nunatakker wichtige Rückzugsgebiete (Refugien) für viele Tier- und Pflanzenarten bildeten.

Nach der Cavallo di Novazza: Es geht weiter hoch...
Diese „Inseln“ im Eis spielten dieser Theorie zufolge eine wichtige Rolle beim Überleben von Pflanzenarten wie dem Himmelsherold, Dolomiten-Fingerkraut, Schweizer Mannsschild oder der Alpen-Grasnelke (Quelle: Wikipedia).

Obwohl heute umstritten, hat sich diese Hypothese wohl zumindest zeitweise so gut gehalten, dass sie die Gründer des Botanischen Gartens motivierte.

Ab dort wird die Steigung allerdings heftig. Nach zwei Spitzkehren fährt man eine lange Gerade, fast 2 km, 220 hm - also 11% im Schnitt.

Das Gemeine dabei: Oben sieht man die "Cavallo di Novazza", die von unten kommend aussieht wie eine Passhöhe, und meint, man sei oben, wenn man dort sei. Falsch: Die Cavallo bildet zwar eine Art Sattel zwischen dem Flußsystem des Torrente Assana und der Torrente Aviana, aber beileibe noch nicht das "Ende der Fahnenstange", was den Anstieg zum höchsten Punkt der Strada Provinciale Monte Baldo angeht. Das sieht man aber erst, wenn man oben ist.

Blick ins Tal der Torrente Aviana
Man mag sich vorstellen, dass mich dies ziemlich misslich stimmte. Vor allem, wenn man dann links die Rampe sah, die einem bevorstand: 600 m lang, 80 hm Differenz: 13,3%.

Argh! Ich quälte mich mit 39/27 da hoch und wünschte mir zum ersten Mal seit langem einen "Rettungsring" oder zumindest hinten eine 29 oder 31. Aber dahinter ging's: Zwar wand sich die Straße immer noch nach oben, aber nun recht flach und auch nicht mehr lange.

Dann war ich endlich oben: Der Blick hinunter ins Tal des Torrente Aviana (ich sollte später in die namensgebende Stadt Avio kommen) war atemberaubend schön. Da hatte sich die Mühe doch gelohnt!

Serpentinen, Serpentinen...
Von Garda bis an den höchsten Punkt der Strecke hatte ich ziemlich genau 2 Stunden gebraucht - für 30 km, das entspricht einem Schnitt von 15 km/h. Durch die zwei längeren Flachpassagen konnte ich da den Schnitt schon ein wenig heben.

Nun begann die längste Abfahrt meines Radfahrerlebens. Es ging, nur unterbrochen von einer ca. 200m kurzen Gegensteigung, die ich mit Schwung locker durchfuhr, 22 km am Stück bergab bis nach Avio.

... und steile Felswände!
Lange Geraden, Almen, enge Serpentinen, ein Stausee, Wildbäche, Felsüberhänge: Es war alles dabei. Teilweise kam ich mir etwas komisch vor und dachte dauernd: So viele Höhenmeter, wie Du hier abfährst, kannst Du doch unmöglich erfahren haben!

Nach 34 Minuten kam ich aber in Avio an, und nun wußte ich, dass ich noch ca. 30 km flach, dann 10 km Hügel und nochmal 22 km flach vor mir hatte, bis ich wieder zuhause war.

Es ging weiter die Etsch runter, interessant dabei war für mich die Entdeckung des Canale biffis, eines 47 km langen künstlichen Seitenkanals der Etsch (8 km davon in Tunneln!), der kurz vor Avio beginnt und bis nach Verona führt. Er dient vornehmlich der Bewässerung der Obstplantagen entlang der Etsch, speist allerdings daneben auch zwei Wasserkraftwerke.

Der Canale biffis mit angrenzendem Radweg
Unangenehm: Hier im Tal der Etsch blies ein heftiger Gegenwind von Süden. Glücklicherweise fand ich mit ein wenig Anstrengung Anschluss an einen ca. 400m vor mir fahrenden Traktor, der mir für 4-5 km Windschatten bot.

Danach wurde es mühselig, und ich bekam auch Durst: Glücklicherweise fand ich in Brentino Belluno direkt an der Etsch eine Trattoria, wo ich mich erfrischen konnte.

Dort traf ich eine Gruppe Radfahrer aus Sankt Salvator (der Vereinsname lautete, glaube ich mich zu erinnern, "Turbine"). Nette Jungs, aber sie sahen ziemlich fertig aus!

Das Forte Ceraino
Kein Wunder: Sie waren bereits seit einigen Tagen nach Rom unterwegs und wollten heute noch bis nach Verona fahren! Ich wünschte viel Glück und erinnerte mich meiner Alpenüberquerungen mit der Spanischen Bergziege Schwarzenholz 2007 und 2009.

Ich fuhr nun weiter die Etsch abwärts, vorbei an vielen Granit- und Marmorsteinbrüchen, ehe ich bei Volargne letztmals die Etsch überquerte und die Wasserscheide zwischen Etsch und Po überwand.

Über Pastrengo, Colà und Cavalcaselle gelangte ich zurück nach Peschiera del Garda und fuhr von dort wie auf dem Hinweg nach Hause.

Müde, aber glücklich und voller Eindrücke ruhte ich mich erst mal am Pool aus, ehe ich meine Mädels ins Gardaland abholen ging. Nach dem, was sie mir so erzählten, hatten wir an diesem Tag alle unseren Spaß - jeder nach seiner Façon!








Dienstag, 16. August 2016

#chicago2016 #12 - Intervalle am Morgen

#chicago2016 #12 - Intervalle am Morgen






Intervalle sind doof, Vol. 2


Das schnelle Rennen ist einfach nicht meins - jedenfalls zur Zeit...


Der frühe Vogel fängt den Wurm, hatte ich mir gedacht - um das Dutzend an Lauftrainings für den Chicago-Marathon am 09.10.2016 vollzumachen, standen heute 5 * 1000 m in 3:55 mit 400m Trabpause auf dem Trainingsplan.

Sonnenaufgang über Sirmione
Ich lief mich in Richtung eines Wohngebietes ein, in dem die Straßen nach "großen Männern der Geschichte" benannt sind - Via Constantino il Grande, Via Cassio, Via Claudio il Gotico, Via Giulio Cesare usw...

Hier boten sich ruhige Straßen mit flachem Profil für ein Intervalltraining geradezu an. Nach 2,5 km Einlaufen startete ich mit einer 3:55, gefolgt von einer 3:54. Aber ich merkte, dass meine Beine da schon müde wurden.

Im dritten Intervall bekam ich mit viel Kampf noch eine 3:55 hin, aber im vierten hatte ich nur Saft bis zur Hälfte in 1:57, danach war's, als hätte mir einer den Stecker gezogen. Nach der 4:10 versuchte ich es gar nicht erst mit dem fünften und letzten Intervall, sondern lief gleich nach Hause. Wenn man keine Beine hat, geht halt nichts.

Man soll ab und an einfach auf seinen Körper hören, und meiner sagte mir: "Mehr ist heute nicht drin!". Was soll's, wird schon noch. Am Sonntag lauf ich eh lang statt Wettkampf, und dann wird das ganze nächste Woche einfach wiederholt.

Morgen fahr ich ohnehin Rad, und die Rundfahrt hat 135 km und über 2.000 hm. Das ersetzt locker den 100-Minuten-Lauf...

Montag, 15. August 2016

#chicago2016 #11 - Einmal quer durch Sirmeone

#chicago2016 #11 - Einmal quer durch Sirmeone






Beine ausschütteln...


Ich bin zu alt, um bei Hitze zu laufen!


Nach dem doch recht anstrengenden Ritt über die Berge westlich des Gardasees gestern fühlte ich mich am frühen Morgen noch nicht in der Lage, den von Herbert Steffny geforderten Regenerationslauf zu machen. Die Knie, die Knie...

Heiß war's...
Aber am frühen Abend war ich dann soweit erholt. daß ich mich laufend weiter erholen konnte. Ich durchlief ein wenig die Anlage und tuckerte dann relativ fantasielos von der Gemeindegrenze von Sirmione und Desdenzano durch Colombare, Santa Maria di Lugana und Maraschina bis zum Gemeindegrenze von Sirmione und Perschiera, welche auch gleichzeitig die Grenze zwischen der Lombardei und Venetien ist.

Es war doch recht heiß, und trotzdem ich recht gleichmäßig und langsam lief, stieg mein Puls. Am Ende hatte ich doch um die 145 - deutlich außerhalb des GA1-Bereichs.

Das alles sagt mir, dass ich doch ein wenig langsam machen muss - vor allem in der Hitze. Die Intervalle morgen werden in jedem Fall in der Morgenkühle gelaufen...

Sonntag, 14. August 2016

Hitze, Hinterland, Höhenmeter

Hitze, Hinterland, Höhenmeter






Die Fahrt als Animationsfilm von relive.cc


Drei Seen und zwei Pässe an einem Tag


Beeindruckende Bergtour mit einigen Extra-Höhenmetern


Zunächst ging's mal direkt am Gardasee vorbei
Meine erste von zwei geplanten Radausfahrten am Gardasee ersetzte heute den eigentlich auf dem Trainingsplan stehenden langen Lauf von 30 km in 5:30/km. Das schlechte Gewissen plagte mich schon etwas, aber man muss halt Kompromisse machen - auch wenn Herbert Steffny gar nichts davon hält, einen langen Lauf durch Radfahren zu ersetzen.

Ich hielt mich ansonsten an seinen Rat (doppelt so lang fahren wie laufen, Puls 10-15 Schläge niedriger) aber machte ansonsten meinen Frieden mit dem "Systembruch". Ist ja auch nur das eine Mal, versprochen!

Während meine Frau und die Mädels es sich am Strand des Gardasees gemütlich machten, fuhr ich um kurz nach 11 Uhr los.

Kurz vor Salò zwischen Monte Modero und Monte Croce
Es war schon sehr warm, als ich Richtung Desdenzano über die nahe des Sees gelegene Straße aufbrach. Von Beginn an wurde das Fahrvergnügen durch den Dauerstau getrübt - zu gewissen Tageszeiten und in gewisse Richtungen zeigt sich hier die Kehrseite der Medaille dieses hochintensiven Touristengebietes.

Trotzdem genoß ich die Durchfahrt des Hafens von Desdenzano, durchfuhr Moniga del Garda, Raffa und Cunetonne auf der geradesten Strecke und rauschte die Abfahrt nach Salò hinunter.

Mein Ziel war schließlich keine Panoramafahrt entlang der Küste, sondern ich wollte schnellstmöglich Gargnano am Westufer des Sees erreichen, von wo aus es dann in die Berge gehen sollte. Davon abgesehen fuhr ich hinter Salò ohnehin fast ausschließlich an der Küste entlang, wenn auch der Dauerstau, von dem ich eigentlich nur auf der Abfahrt nach Salò verschont blieb, wieder hinderlich war. Erst hinter Cecina, also nach ca. 35 km, war damit Schluß.

Ab Gargagno ging's bergauf!
In Gargagno kam ich mit einem 28er-Schnitt an, ehe es in die Berge ging. Bei der flachen Strecke wäre ich im Falle freier Straßen ansonsten sicher 4-6 km/h schneller gewesen.

An einer Quelle füllte ich erst mal meine Wasserflasche auf und suchte mir bergauf einen vernünftigen Rhythmus, wobei ich bemüht war, nicht mehr als 250 Watt zu treten - schließlich fing der Tag hier erst so richtig an.

Es ging dann auch nett nach oben, die Steigung war gleichmäßig, der Puls bewegte sich im 145er-Bereich. Aber es war heiß, und ich bekam Durst und Hunger. Nach nicht ganz 30 Minuten hatte ich mich von ca. 70 m über N.N. auf 470 hochgearbeitet, als ich an der Trattoria Campeggio Giglio vorbeifuhr - Zeit für Mittagessen!

Der Staudamm des Lago di Valvestino
Ich genoß eine gute Portion Nudeln, ein alkoholfreies Weizenbier und einen hervorragenden Espresso bei bestem Panorama, ehe ich weiter die Strada Provenciale 9 entlang in die Berge hinein fuhr.

Kurz darauf kam ich in das Hochtal des Torrente Tosciano, der hier mittels eines Staudamms zum fjordartigen  "Lago di Valvestino" aufgestaut wird, von dem aus ein Elektrizitätswerk in Gargagno Strom für 30.000 Haushalte liefert.

Es ging rechts am See vorbei, über drei Brücken an Seitenarmen, die Aussichten waren wunderschön, und am Ende des Sees wartete die nächste richtige Steigung.

Molino di Bollone:Ab hier begann der zweite
etwas forderndere Anstieg auf knapp 1.000 m über N.N.
Das kleine Örtchen Molino di Bollone bildet auf 650 m über N.N. den Ausgangspunkt für zwei Passstraßen.

Nach links geht's über die SP 58 Richtung Capovalle, nach links über die SP9 Richtung Turano, wobei man auch hier zwangsläufig irgendwann nach Capovalle kommt - oder irgendwo in einer Sackgasse endet, denn über den Höhengrat führt sonst keine asphaltierte Straße.

Ich fuhr meiner geplanten Strecke nach links Richtung Capovalle und Richtung Passo San Rocco, der lt. Karten 1.020 m über N.N. liegt (ich maß allerdings nur 930), und überwand auf den nächsten sieben Kilometern nochmal 400 hm in knapp 31 Minuten, ehe ich über den Pass fuhr.

Hier hätte ich links ab gemusst. Hätte, hätte, Fahrradkette...
Nun begann das Abenteuer: Mein Plan war eigentlich gewesen, den Passo del Cavallino della Fobbia (1.090 m über N.N.) zu überfahren und dann das Val Degagna in einer langen Abfahrt hinunter zu rauschen. Laut Plan musste ich aber noch ein paar Höhenmeter bis dahin machen, nach einer kurzen Zwischenabfahrt.

Nun, die Zwischenabfahrt begann am Passo San Rocco, und im Rausch der Geschwindigkeit übersah ich wohl das kleine Sträßchen (SP 56), das 800 m nach der Passhöhe nach links abzweigt (siehe Bild). Stattdessen fuhr ich Ohrenschaf weiter die Abfahrt auf der SP 58 runter und wunderte mich, dass die "Zwischenabfahrt" so lang war. Den Warnton meines Garmin tat ich arrogant als Messfehler ab.

Der Lago d'Idro von der SP 58 aus, Blickrichtung Südwest
Als ich meinen Fehler bemerkte, war ich schon ca. 250 hm abgefahren und hatte nun keine Lust mehr, die Wasserscheide zwischen dem Lago d'Idro und dem Gardasee zu überfahren. Stattdessen wollte ich "nach Gefühl" fahren und dann eben am Lago d'Idro weter die Chiese hinab in Richtung Vobarno - in denselben Ort, in den ich auch gekommen wäre, wenn ich das Val Degagna runtergefahren wäre.

Dass im weiteren Verlauf meiner Fahrt aus dem Konjunktiv noch der Indikativ werden würde, was das Val Degagna anging, ahnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht...

Sieht so eine Abfahrt aus? Eher nein.
Zunächst einmal programmierte ich meinen treuen Begleiter, den Garmin Edge 1000, um, auf dass er mir den kürzesten Weg nach Hause zeigen solle, und war gewillt, ihm brav zu folgen. Ich genoß unbeschwert die Abfahrt in Richtung Idro, den großartigen Ausblick auf das südliche Seeende und den schönen Ort, ehe ich, meinem "Gefühl" und meinem Navi folgend, nach der ersten Überquerung einer Brücke über einen kleinen Bach nach links abbog, im Glauben, den Ausfluß der Chiese aus dem See überquert zu haben. Es ging wieder bergan, komisch - aber was soll's? Bestimmt nur ein kleiner Zwischenanstieg.

Was? 12% auf den nächsten 3 km? Was ist das denn? Egal, fahren wir mal - dafür wird die Abfahrt nachher um so schöner! Erst nach 2 km Anstieg eröffnete sich mir mein Fehler: Ich blickte auf den See zurück, diesmal nach Norden, und sah die Chiese im Westen in einem Tal verschwinden. Na klasse!

Endlich oben! Und auch noch ein Brunnen! Danke, Maria!
Egal, dann halt weiter bis zum Scheitel, und dann aber in die Abfahrt! Schließlich sagt der Garmin mir, dass ich richtig bin! Auf dem Bergrücken angelangt, ging es tatsächlich nach links bergab. Juhu! Kurz darauf erreichte ich Trebbio, und es ging - nach oben? Ernsthaft?

Jetzt dämmerte es mir - ich war wieder unterwegs zur Höhe Cime bzw. Cavallino Fobbia Richtung Val Degagna - der Garmin rechnet brutal die kürzeste Strecke aus, nicht zwingend die flachste. Argh! Mir blieb nichts übrig, ich kletterte weiter, es ging durch ein weiteres kleines Bergdorf, Vico, ehe ich endlich, nachdem ich die "Santuario di Santa Maria delle Pertiche" passiert und ein Stoßgebet gen Himmel geschickt hatte, ich möge doch bald die Passhöhe erreicht haben, erhört wurde.

Blick ins Val Degagna kurz nach Beginn der Abfahrt
Es ging rechts ab, und ich war endlich oben. Das war hart! Die dritte Tagesssteigung hatte 450 hm ab Idro auf sieben km, trotz zweier Zwischenabfahrten. Im Vergleich dazu hatte die zweite ab Molino di Bollone bis zum Passo San Rocco ohne Zwischenabfahrten auf gleicher Strecke, wie bereits erwähnt, nur 400 hm. Egal, geschafft!

Links war sogar ein kleiner Brunnen, ich erfrischte mich ordentlich, dankte der Mutter Gottes, füllte meine Flasche auf und machte mich auf in die 11 km lange und 22 Minuten dauernde Abfahrt durchs Val Degagna in Richtung Vobarno, wo ich denn Fiume Chiese endlich sah, denn in ihn mündet die Torrente Agna, der Fluß, der das Tal geformt hat.

Auf den ersten Kilometern ist die Abfahrt noch recht rauh und an einigen Stellen kaum asphaltiert, aber wenn man vorsichtig fährt, geht's auch mit dem Rennrad. Nach knapp 1,5 km kommt von links auch die Straße heraus, von der ich eigentlich hätte kommen sollen, wenn ich mich kurz nach dem Passo San Rocco nicht verfahren hätte.

Kurz vor der Mündung des Torrente Agna in die Chiese
Egal! Ab Vobarno folgte ich weiter brav meinem Garmin, dass mich relativ schnell in bekannte Gebiete zurückbrachte. Oberhalb von Salò war ich wieder "auf Strecke" so wie auf dem Hinweg, und unter Aufbietung meiner Restkräfte strebte ich dem Garda Village, wo wir unsere Urlaubsresidenz hatten, entgegen.

Nach 5:17 Stunden reiner Fahrzeit (insgesamt 6:43 incl. Pausen, Fotostopps und sonstiger Haltenotwendigkeiten) war ich froh, nicht mehr treten zu müssen.

Trotz Verfahrer und manchem Frustmoment - die Tour war klasse! Das nächste Mal, wenn wir hier sind, wird die Gegend nochmals erkundet - unter Einbringung der Erfahrungen von diesem Mal. Aber wetten, dass ich mich dann wieder verfahre?