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Montag, 26. Dezember 2016

Schwiegermamaweihnachten in der Eifel #festive500 #stage2 #44%




Ich bin schon weiter gefahren als heute, steiler, und auch schneller. Aber soviel kämpfen wie heute, um das Ziel auch zu erreichen, musste ich noch nie. Die Eifel lehrt Dich Demut!

Selfie vorm Start. Dunkel war's, der Mond schien... gar nicht
Um um 12 Uhr anzukommen, wenn sich die ganze Familie meiner Frau bei meiner Schwiegermutter in Schönecken zum Weihnachtsessen treffen sollte, musste ich nach meiner Planung um 6 Uhr losfahren. Das war mir ein bißchen zu früh, der Kompromiss war Start um 6:30 Uhr und das Zugeständnis einer halben Stunde Verspätung. Schließlich lagen 158 Kilometer vor mir! Mit einem Schnitt von 25-26 km/h sollte das einigermaßen zu schaffen sein, dachte ich mir.

Um 5:45 Uhr klingelte der Wecker, und der erste Blick aus dem Fenster ließ meine Stimmung gleich mal sinken: Feiner, fieser Nieselregen, der es bei selbst bester und wärmster Fahrradbekleidung besonders gut schafft, in die kleinsten Ritzen zu kriechen und Dich so richtig zu durchnässen.

Schloss Dagstuhl bei Wadern
Egal, ich hatte mir was vorgenommen, und zumindest versuchen wollte ich es auch. Zum einen musste nach der Trödelei der ersten beiden Tage die Kilometerfresserei für die Rapha Festive 500 ja irgendwann mal losgehen, zum anderen wußte ich, dass die Familie ja irgendwann mit dem Auto aufbrechen würde: Sollte ich es aus welchem Grund auch immer nicht schaffen, so müssten sie mich eben auflesen.

Ich frühstückte reichlich und machte mich auf den Weg. Schon die ersten 500 Meter zeigten mir, was mich erwarten sollte. Regen, Regen, Regen. Aber wenigstens war's einigermaßen windstill.

Heddert am Ortseingang - 516m über N.N., der höchste Punkt
Erstmal ging's los in Richtung Sankt Wendel. Es war stockduster, aber die Cateye-Lampe, die ich mir am Tag zuvor erst bei Fahrrad Schweitzer gekauft hatte, reichte, um genug zu sehen - und vor allem, um gesehen zu werden. Ich sparte bewußt Kraft und fuhr sehr ökonomisch, weil ich wußte, was noch alles vor mir lag.

So ging's über Wiebelskirchen, Ottweiler und Nieder- und Oberlinxweiler nach Sankt Wendel. Vorbei an Flash, ALDI und schon war ich auf dem Wendelinus-Radweg. Die Lampe reichte auf dem ansonsten unbeleuchteten Weg gerade so aus, ich kam gut voran. Alle 45 Minuten ass ich einen Riegel, und ich trank auch ausreichend meine Dextro-Energy-Mixgetränke.

Die Kyllmündung in die Mosel bei Trier-Ehrang
Erst ausgangs Gronig, kurz vor acht Uhr, zeigte sich so etwas wie eine Dämmerung. Von Minute zu Minute wurde es wenigstens ein wenig heller, wenn auch der Regen nicht nachließ.

Ich passierte die Bliesquelle und durchfuhr Selbach nahe der Quelle der Nahe und fuhr in die lange Abfahrt die Selbachstraße runter ins Imsbach- und dann ins Primstal. Nun war es zumindest so hell, dass man auch ohne Lampe gut sehen konnte. Ich schaltete die Cateye eine Stärke runter, so dass die Lampe ihrer Signalfunktion genügte, um mich für entgegenkommende Autos besser sichtbar zu machen.

Hoch ging's aus dem Primstal, vorbei an Schloß Dagstuhl. Ich war jetzt fast zwei Stunden unterwegs und hatte fast 50 km auf dem Tacho. Bis Wadrill rollte es noch recht gut, aber dann begann ein fast neun Kilometer langer Anstieg, nur unterbrochen von einer kurzen Zwischenabfahrt aus Grimburg ins obere Wadrillbachtal. Zwischendurch, um 8:50 Uhr, verließ ich hinter Wadrill und vor Grimburg das Saarland.

Hinter Auw an der Kyll - 10 °C, trockener Untergrund.
Von da wurde es nicht mehr besser, sondern das Gegenteil.
In Kell am See wollte ich ein paar Kilometer sparen und statt der langen, aber gleichmäßigen Abfahrt entlang der Ruwer (20,6 km) über Schillingen, Heddert und Hinzenburg (11,2 km, aber einige Anstiege) nach Pluwigerhammer. Ein Hindernis gab's: Der Nebenbach der Ruwer, die Rauruwer, wird derzeit mit einer neuen Brücke überbaut, weshalb man nach Heddert besser in Richtung Lampaden zurückfährt und im Ruwertal auf den Radweg springt. Ich aber, unwissend, quälte mich durch die Baustelle, was mir dreckige Schuhe und fünf Minuten Zeitverlust bescherte.

Das Gute: Es hörte auf zu regnen und wurde von Minute zu Minute heller und wärmer! Ich schöpfte neuen Mut, kam gut das Ruwertal runter, überquerte die Mosel bei Ehrang und fuhr die Kyll hoch, dabei sah ich zufrieden die 100-km-Marke fallen. Nach vier Stunden Netto-Fahrzeit hatte ich 104 km hinter mir, also ein 26er-Schnitt, den ich bis zum Bahnhof Speicher fast halten konnte, wobei ich die Fahrt nur für ganz kurze Esspausen unterbrach und einige Fotos machte.

Die Mühle hatte auch mal Pause...
Die nassen Winterhandschuhe hatte ich mittlerweile gegen dünne, aber trockene Stoffhandschuhe getauscht und war guten Mutes, vor allem da die Kleider langsam begannen abzutrocknen. In Hüttingen an der Kyll hielt mich ein schleichender Platter auf, dessen Beseitigung mich nochmal zehn Minuten kostete.

Schlimmer: Das Wetter wurde wieder schlechter. Hoch nach Bitburg begann wieder Nieselregen zu fallen, und die Temperatur sank merklich. Kurz davor in Auw an der Kyll hatte es noch zehn Grad Celsius, jetzt waren es nur noch sieben.

Und auf der Abfahrt ins Nimstal, auf das ich mich eigentlich total gefreut hatte, weil es dort immer gut rollt, wurde es noch schlimmer: Es wurde kälter und kälter, der Regen fiel mittlerweile intensiv und dauerhaft, und das Schlimmste: Es gab heftigen Gegenwind, genau von Norden, wohin ich fuhr.

So kann man nasse Handschuhe auch verstauen...
Die dünnen Handschuhe waren jetzt keine echte Hilfe mehr, ich hatte wegen immer klammerer Finger schon Probleme beim Schalten, das Thermometer zeigte erst fünf, dann vier, schließlich drei, am Ende sogar nur noch zwei Grad! Mein Akku war echt alle, ich brachte überhaupt keinen Druck mehr auf die Kurbel und quälte mich mehr schlecht als recht in Richtung Schönecken. Klitschnass, total durchgefroren und wie ein Häufchen Elend saß ich auf dem Rad.

Als ich schließlich in Schweisthal die letzte kleine Kuppe hochgefahren war und den Ort sah, freute ich mich wie selten zuvor!

Die letzten 21 Kilometer brachte ich fast 40 Watt weniger Leistung auf die Kurbel als auf den 136 vorher. Das sagt eigentlich alles aus.

Am Ende standen 6:15h reine Fahrzeit (brutto 6:40h), ein 25,3er Schnitt und mein bis dato längster Festive-500-Ritt. Bei Schwiegermama in der Eifel gab's danach genug zu essen, um die leeren Speicher wieder aufzufüllen. Auch wenn ich statt um 12 erst um 13.15 Uhr am Tisch saß - das reichte noch. "Um 12 werd gess" - diese Regel gilt wohl nur in der Heimat...

Abends nach dem Heimkommen war erstmal eine Stunde Radpflege angesagt. Nicht nur der Matsch des Rauruwertals klebte in allen Ritzen, sondern auch jede Menge anderer Dreck. Aber jetzt ist das graue Ross wieder sauber, geölt und bereit für neue Taten - bei hoffentlich besserem Wetter bis Silvester!

Sonntag, 25. Dezember 2016

Futtern bei Muttern #festive500 #stage1 #12%




Heute bin ich mal ganz vorsichtig in die Rapha Festive 500 eingestiegen, nachdem ich gestern ja statt dessen mit dem Flo und ungefähr 60-70 anderen lieben Menschen laufen war. Nun ist Aufholen angesagt!

Nein, nicht Hollywood - Völklingen!
Morgen kommen nochmal so 155 km dabei, wenn alles gut geht, wenn ich zur Schwiegermama in die Eifel fahre. Start wird 6.30 Uhr sein, die ersten beiden Stunden mit Lampe...

Gegen 10.40 Uhr fuhr ich los, es ging erst mal über Elversberg ins Rohrbachtal nach Sankt Ingbert. Eine Umleitung zwang mich ins Rischbachtal, und dort verfranste ich mich ein wenig. Am Ende der Gehnbachstraße blieb mir, um auf die Dudweilerstraße zu kommen, nur die Flucht in den Wald (die Alternative wäre Umdrehen gewesen, aber das mach ich nicht so gern).

Bei Lisdorf - rechts das Saarstahl-Kraftwerk, hinten das
Polygon auf der Bergehalde bei Ensdorf
Gar kein Problem: Hinter den Häusern ging ein gut befahrbarer Waldtrail entlang, und schwuppdiwupp war ich auf der Straße hoch in Richtung Sulzbachtal.

Von dort war's einfach: Das Sulzbachtal runter bis in die Saarbrücker City, durch das Ohr des Herren (oder Kaldnaggisch, wie man hier sagt)  und die Freude des Jägers bis an die Saar, von dort meine Strecke, die ich jahrelang vom und zum Dienst fuhr, in Richtung Bous immer an der Saar entlang.

Ich trat um die 200 Watt, schraubte den Schnitt vorsichtig in Richtung 26 km/h hoch, und fuhr mit gebremstem Schaum - Kraft sparen für die Eifeltour war angesagt!

Nach 60 km wieder in der alten Heimat...
Bei Völklingen lief mir ein Irish Setter 3-400m lang neben dem Rad her, die Rufe seines "Herrchens" (der Diminutiv ist hier angebracht) verhalten ungehört. Zum Glück fehlte seiner Aggression die letzte Konsequenz - er lief nur mit und bellte, irgendwann war er dann zum Glück müde. Da fuhr mir der Schreck ganz schön in die Knochen. Maximalpuls war da 154, sonst nie mehr als 141 auf der ganzen Fahrt...

Bei Völklingen kam mir eine Bekannte entgegen, Verena fuhr aber lieber MTB als Rennrad. Aber immer schön, wenn man Leute trifft, die man kennt. Ich blieb bis Saarlouis an der Saar und sah sogar noch ein bekanntes Gesicht, der Sebastian kam gerade von der Tour mit den Überherrnern zurück. Von Saarlouis ging's dann über Fraulautern und Saarwellingen nach Schwarzenholz.

Mit dem Wetter hatte ich Glück. Der Wind war teilweise eklig, aber nicht allzu stark, und geregnet hat es eigentlich auch nicht, bis auf zweimal fünf Minuten Nieseln. Ich hab ein bisschen wenig getrunken und hatte die Waden hart und ganz leichte Krämpfe. Hoffentlich beißt mich das morgen nicht. Aber Sorgen machen hilft ja auch nix. Einfach fahren!

Samstag, 24. Dezember 2016

Easy Christmas Trail mit Flo Neuschwander und vielen anderen



Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt - diese Abwandlung eines auf Wilhelm Busch zurückgehenden Spruchs ("Aber hier, wie überhaupt, kommt es anders, als man glaubt" aus dem Gedicht "Plisch und Plum" (1. Kapitel, 1882)) passte heute für mich.

Mit Monika und Florian Neuschwander
Eigentlich wollte ich ja das Laufjahr mit dem Lauf vom Donnerstag abgeschlossen haben und mich ab dem heiligen Abend wegen der Rapha Festive 500 nur noch aufs Radfahren konzentrieren. Zwei Dinge änderten das: Zunächst mal das äußerst miese Wetter am heutigen Morgen, aber auch die Lektüre der Saarbrücker Zeitung, wo ich von Florians "Easy Christmas Trail"-Projekt erfuhr.

Mark und ich waren uns schnell einig: Das Radfahren musste mindestens mal noch einen Tag warten. So trafen wir uns kurz vor 11 Uhr mit ca. 50-60 Gleichgesinnten sowie Florian und seiner lieben Mama Monika am Sportplatz Eberstein. Flo erklärte fix die Regeln: Es gab keine, außer das die, die wollten, zwei Runden laufen konnten, die, die weniger vorhatten, eben nur eine - in jedem Fall gäbe es nachher was zu trinken und noch ein kleines Weihnachtsgeschenk von ihm. Super!

Vor dem Start: Florian macht den Erklärbär!
Flo hatte eine 6-km-Runde zusammengestellt, mit ganz viel Trail und schmalen Pfädchen, und die Gruppe zog sich wie eine Perlenschnur auf. Flo hatte die Strecke noch mit zwei Strava-Segmenten "garniert": Ein Trail nur bergauf, ein Kilometer mit 57 Höhenmetern, und einen Ein-Kilometer-Zielsprint zum Eberstein.

Die erste Runde lief ich voll und ziemlich vorne mit, vor der zweiten Runde passte ich Mark ab und wir liefen zusammen weiter.

Kurz vorm Einstieg in den Trail nach Beginn der zweiten Runde entschieden wir uns aber, es locker angehen zu lassen und blieben auf der Asphaltstrecke.

Wie an 'ner Schnur aufgezogen meisterte die Gruppe die Trails
Wir sammelten noch eine weitere Läuferin ein, zu dritt drehten wir die zweite Runde über Ebersteinstraße und Philosophenweg, bis uns die Kollegin dort in Richtung Heimat verließ.

Kurz vorm Ziel kam uns Flo entgegen, der wie ein guter Hirte die Herde im Blick behielt und gleich mal fragte: "Habt ihr abgekürzt?". Ich wieß das entrüstet zurück, ehe ich es eingestand - Spaß gehört beim Laufen halt dazu.

Mark und ich liefen uns am Ende der zweiten Runde noch ein wenig aus, dann gab's noch das eine oder andere Schwätzchen. Ehe wir anfingen zu frieren, löste sich die Gruppe langsam auf, nicht ohne jede Menge netter Weihnachtswünsche.

Das war toll! Jederzeit wieder! Danke an Florian, seine Mama Monika, die eine echt gute Fee war, und an alle, die dabei waren!