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Sonntag, 24. Februar 2019

#gf1902 Mit Julian nach Enchenberg


Gestern war der erste Streich...


... und der zweite folgt sogleich! Der nächste Hunderter - mit Julian Lange


Heute hatte ich mir (bei noch besserem, vor allem wärmerem, Wetter als gestern schon) gleich den nächsten Granfondo vorgenommen. Schon seit längerem hatte ich mit dem Neu-Saarländer Julian Lange, einem Triathleten, der im Wirtschaftsministerium arbeitet, vorgehabt, eine längere Radtour zu bestreiten und ihm dabei die Schönheiten unserer Region zu zeigen.

Blick bis zu den Vogesen - das Wetter war super!
Eigentlich wollte ich, ganz euphorisch nach dem schönen Hunderter gestern mit Mark und Sven, von Neunkirchen aus mit dem Rad durchs Rohrbachtal und dann später auch wieder so zurück, also ca. 160 km fahren. Aber zwei Nachmittags- bzw. Abendtermine kultureller Art (u.a. das Winterkonzert der Musikfreunde Münchwies) ergaben dann doch ein zeitliches Korsett, das mich zur Anreise nach Güdingen mit dem Auto zwang.

Egal! Ich traf Julian dort pünktlich, und wir rollten erstmal gemütlich ein und lernten uns kennen, indem wir am Treidelpfad auf französischer Seite die Saar hinaufpedalierten. Der Ex-Berliner war erstaunt, wie schnell wir in Frankreich waren (nach 300m, um genau zu sein), aber ihm gefiel die Strecke von Anfang an. Durch Sarreguemines ging's, und dann immer entlang des Saarkanals, der vorbei an Rémelfing, Sarreinsming, Zetting und Wittring mäandert.

Spaß hatten wir jede Menge!
In Wittring verließen wir dann den Kanal und fuhren das Achental hoch, dann über Kalhausen und Schmittviller rüber ins Tal des Rahlinger Bachs. Hier wurde dem jungen Preußen erstmals klar, dass das Saarland und die es umgebende Region mitunter einen hügeligen Charakter aufweist. Er war aber gnädig mit mir und ließ mich meine schlechte Form nicht durch Attacken oder Ähnliches spüren.

So ging's weiter über den Peterbach, hoch nach Butten in Richtung Ratzwiller über die D723 und raus aus dem Tal des Peterbachs.

Das Spielersbachtal, in das wir jetzt kamen, ist eines der schönsten Rennradreviere der Gegend und mit der Ratzviller Mühle auch ein echter Kultort, zu dem beispielsweise die jährliche Saisoneröffnungsfahrt des RV Edelweiß Bliesransbach geht. Julian jedenfalls war ganz begeistert ob der Schönheit der Region.

Der Spielersbach sammelt alle Zuflüsse aus den beiden Tälern von Saint-Louis-lès-Bitche einerseits bzw. Soucht/Meisenthal andererseits ein und führt sie der Eichel, einem Nebenfluss der Saar, zu.

In Enchenberg mit Bürgermeister Bernard Fath
Am Treffunkt dieser Bäche angekommen, machen wir uns an den Anstieg aus dem Tal heraus und fuhren nach Montbronn und von dort nach Enchenberg, der Hangarder Partnergemeinde, um uns in der Auberge Sainte Vérène in der Ortsmitte zu stärken. Dabei trafen wir auch den Bürgermeister, meinen lieben Freund Bernard Fath, der sich ein wenig zu uns gesellte.


So gestärkt nahmen wir dann den Höhenzug zwischen den Blies- und Saareinzugsgebieten in Angriff und kamen über Rohrbach-lès-Bitche wieder ins Achetal, diesmal ins obere nach Groß-Réderching, ehe wir über Hermeskappel runter ins Bliestal fuhren und ab Bliesbrueck bliesabwärts wieder nach Sarreguemines kamen. Die letzten 30 dann doch eher flachen Kilometer fuhren wir zügig, aber recht gemütlich, wobei Julian seinem jugendlichen Alter entsprechend für mich den Wind schlucken musste. Machte ihm aber wenig aus!

Eine schöne Runde, und ich bin froh, dem Neu-Saarländer einen kleinen Teil unserer wunderschönen Grenzregion nähergebracht zu haben. Ich hatte schon den Eindruck, seine Neugier geweckt zu haben. Wir waren uns darüber einig, bald wieder eine Ausfahrt zu unternehmen. Das hat wirklich Spaß gemacht!

Sonntag, 24. Juni 2018

#granfondo_2018_07 RTF RSC Überherrn: Iwwa die schwarz Katz!



Endlich mal die große Runde beim RSC!

Mit Christian und den Ford-RSGlern durchs "Loddringe"



In den letzten Jahren wollte ich immer mal die große Runde beim RSC Überherrn fahren, die mit eine der schönsten RTFs im Saarland und Umgebung ist. Aber immer wieder: Termine, Termine. 2017 reichte meine Zeit nur für eine Sternfahrt, 2016 nur für die kleine Runde. Heute aber sollte es soweit sein!

Die RSG-Truppe am Start
Wegen Folgeterminen reiste ich nicht mit dem Rad an, sondern fuhr "klassisch" mit dem Auto nach Altforweiler, geplant war mit Christian Klein und einigen Mitglieder der RSG Ford Saarlouis ein Start um 07:30 Uhr, und mit knapp zehn Minuten Verspätung ging's dann auch los!

Das Wetter war klasse, nicht zu kalt, nicht zu heiß, trocken, windarm, sonnig mit ein paar Wölkchen. Wir fuhren über Bisten in Richtung Landesgrenze, vorbei an der Adolf-Collet-Halle in Überherrn, wo sonst immer der Start war, in Richtung Merten.

Dort ging's über die D63B parallel zur Landesgrenze leicht bergan. Die Gruppe harmonierte gut.

In der Abfahrt nach Zeurange (Heltenbachtal)
Wir passierten Berviller-en-Moselle, durchfuhren Villing und Voelfling-lès-Bouzonville und kamen nach Château-Rouge, wo wir erst den Dumbach überquerten, der später mit dem Trinkbach, den wir bereits in Villing überfahren hatten, zum Ihner Bach zusammenfließt, dann bogen wir scharf rechts ab auf einen asphaltierten Feldweg, der uns zum vorerst höchsten Punkt, der Rue de Saarlouis (D918), führen sollte.

Von hier oben hat man herrliche Panoramablicke über den Saargau!

Nun ging es wieder bergab, durch Heining-lès-Bouzonville kurz entlang der Grenze und dann runter ins Ihner Bachtal wieder auf die deutsche Seite nach Leidingen, ehe wir dann im Ihner Bachtal entlang der Rennstrecke des RSC-Überherrn-Rennens durch Ihn in Richtung Niedaltdorf rollten, mit einem Schnitt gut jenseits der 30 km/h.

Zwischen Rémeling und Ritzing
In Niedaltdorf gab's dann die erste Kontrolle, die Familie Messinger versorgte und bestempelte uns lieb, und dann ging's weiter über die Nied und zurück nach Frankreich, wo wir fast den kompletten Rest des Tags verbringen sollten.

Über Neunkirchen-lès-Bouzonville, ging's tendenziell immer nach oben, schließlich mussten wir aus dem Niedtal bis hoch nach Ritzing zur Kontrolle Nr. 2 (und auch dem zweithöchsten Punkt der Runde) ca. 150 Höhenmeter netto erklimmen (brutto waren's einige mehr, es ging öfter mal auf und ab).

Über Zeurange, Grindorff-Bizing und Rémeling durchfuhren wir einige Bachtäler, die ersten davon floßen in Richtung Nied, die späteren Richtung Mosel. Oben auf der Höhe kurz vor Ritzing genossen wir den Blick auf das Château de Malbrouck und steuerten schließlich die zweite Kontrolle an.
Blick aufs Château de Malbrouck

Danach rollte es wieder richtig gut, es ging ja auch tendentiell bergab entlang des Forêt de Sierck runter nach Oudrenne, wo wir einen kleinen, aber gemeinen Zwischenanstieg meisterten und schließlich nach einer weiteren Abfahrt runter an den tiefsten Punkt der Runde kamen, ins Tal der Canner ca. 6 km vor deren Mündung in die Mosel, nach Inglange. Von da ging's leicht wellig weiter nach Metzervisse und Metzeresche.

Die Gruppe war ein wenig auseinander gefallen, ich fuhr vorneweg, als ich kurz vor dem Ortseingang von Luttange eine schwarze Katze auf der Straße sah, die mit einer Maus spielte. Ich konnte diese sadistisch anmutende Angewohnheit der "Felis silvestris catus" nie leiden, hier ist es ganz gut erklärt.

Blick ins Moseltal
Vor allem war das Tier so konzentriert, dass es mich gar nicht bemerkte! Ich rief laut, die Katze schreckte auf, starrte mich an und wich, just in dem Moment, als ich links an ihr vorbeifahren wollte, nach links aus. Ich zog den Lenker nach rechts, die Katze sprang - logisch - ebenfalls nach rechts.
Schwuppdiwupp war ich über ihren Schwanz gefahren und streifte sie mit dem Vorderreifen, sie miaute protestierend, fauchte und lief davon. Die Maus hingegen rettete sich, ihrem Schicksal und mir dankend, auf die andere Straßenseite und verschwand im Gebüsch.

Ich war ein wenig erschrocken, und als die Jungs mich kurz danach auffuhren, forderte ich sie auf, ohne mich weiterzufahren - "ich bring jetzt vierfach Pech!"

Glücklicherweise war's nicht so, wir fuhren weiter über Bettelainville und kamen nach einer schnellen Abfahrt wiederum über die (hier noch jüngere) Canner, ehe wir in St. Hubert die dritte Kontrolle erreichten.

Über Vigy und Vry, wo die Canner entspringt, ging's auf die D3, stetig bergan, bis wir wieder auf der selben Höhe (343 m über N.N.) waren wie an Kontrolle 2 in Ritzing. Es folgte eine schöne Abfahrt und über Burtoncourt und Gomelange kamen wir bis fast an die Nied, dann ging es über Anzeling, Hestroff und Bibiche zur Kontrolle Nr. 4, wo uns Roman, Nicole und Sebastian erwarteten.

Noch einmal auftanken, und ab in Richtung letzter (und höchster) Berg: Der Mont de Trombon wartete. Mit 385 m über N.N. ist die Erhebung kurz hinter der Ortslage der höchste Punkt dieser Runde.

Sebastian, Nicole und Roman an der letzten Kontroll- und
Futterstelle. Stellvertretend an sie "Merci bien!" an alle Helfer!
Aber erst mussten wir durch Bouzonville, Alzing und Brettnach. Ich schwächelte ein wenig und musste die Gruppe um Christian und die RSGler ziehen lassen, einige holte ich bis zum Schluss nochmal ein, aber Christian nicht mehr, er erreichte das Ziel 2-3 Minuten vor mir. Ich hatte vorher zu viele Körner verschossen.

So genoss ich aber die Abfahrt vorbei an Rémering besonders, und dann waren wir schon wieder auf der Strecke wie auf dem Hinweg. In Bisten gab's noch eine kleine Variation, anstatt auf der Hauptstraße durchfuhren wir hier die Straße "Am Wald", ehe wir kurz vor Altforweiler wieder auf den Radweg kamen.

Am Ende kamen 162 km, 2.000 hm und ein respektabler Schnitt von 29,7 km/h zusammen. Das war eine wunderschöne Runde! Nächstes Jahr wieder, dann aber ohne schwarze Katze! Danke an den RSC und vor allem die vielen ehrenamtlichen Helfer für diese tolle RTF!

Freitag, 13. Oktober 2017

#granfondo_2017_20 Tour de Ligne Maginot Aquatique


Endlich mal wieder Lothringen!


Die 5.000 Rennrad-Kilometer für 2017 standesgemäß vollendet


Heute verband ich eine Einkaufsfahrt nach Grossbliederstroff mit einer schönen Radrunde nach Lothringen in die Gegend um die Ligne Maginot Aquatique und das dahinter liegende Tal bzw. Einzugsgebiet der Albe.

Zunächst mal ging's das Lixinger Bachtal hoch
Einige Infos zur "Ligne Maginot Aquatique":  Auf Betreiben von André Maginot, des damaligen französischen Kriegsministers, wurde im Januar 1930 das französische Finanzierungsgesetz zur Organisation der Verteidigung der Landesgrenzen erlassen.

Dieses beschloss die flächendeckende Befestigung zweier Regionen, die den gesamten Nordosten Frankreichs abdecken: die befestigte Region von Metz und des Lautertals.

Zwischen beiden Regionen erstreckt sich über rund vierzig Kilometer das so genannte Einfallstor an der Saar gegenüber dem heutigen Saarland, damals ein von Deutschland aufgrund des Versailler Vertrags von 1919 getrenntes Gebiet. Anfang 1935 wurde die Saar wieder an Deutschland angegliedert und der offene Landstrich an der Saar wurde somit zum potenziellen „Einfallstor“ für den Feind.

Um dem abzuhelfen, wurden bereits 1927 Untersuchungen angestellt, um das zwischen den Quellen der Nied in Deutschland und der Saar gelegene „Einfallstor an der Saar“ durch ein natürliches Hindernis zu blockieren: das Wasser.
So hätte die "Ligne maginot aquatique" geflutet ausgesehen

Das Projekt einer Verteidigungslinie in dieser Region beruht auf einem raffinierten System defensiver Flutungen. Anfang 1931 wird das Projekt durch André Maginot abgesegnet, und das Flutungssystem wird von 1932 bis 1934 zwischen Hoste und Wittring errichtet. Da sich die Wasserversorgung im Westen schwieriger darstellte, wurden dort die Wasserläufe zu Panzersperren umgebaut.

Um ihre Wirkung vollständig zu entfalten, mussten die defensiven Flutungsanlagen von der Artillerie beschützt und unter Beschuss gehalten werden können; die Artillerieposten wurden unweit der Hauptverteidigungslinie angeordnet. Entsprechend wurde die Region mit einer Reihe von Kasematten, Bunkern und weiteren Befestigungen versehen. (Quelle: https://www.sarreguemines-tourisme.com/images/Brochures/LaligneMaginotaquatique.pdf).

Zunächst ging's mal durch Grossbliederstroff den Lixinger Bach hoch und über Bousbach und die Höhe von Tenteling ins daneben gelegene Strichbachtal, dann gleich über Dietzling und Metzing wieder hoch nach Guebenhouse, raus aus dem Einzugsgebiet der Saar hin in Richtung des Mutterbachs, eines Nebenbachs der Albe.

Hier wollte ich mal was Neues ausprobieren und mir den Étang de Welschhof ansehen, den ich bisher immer nur aus der Entfernung gesehen hatte.Also bog ich auf die D674 nicht wie gewohnt nach rechts in Richtung Puttelange-aux-Lacs ab, sondern nach links in Richtung Ernestviller/Woustviller, dann rechts auf die Brücke über die A4.

Erste, nicht so schöne Überraschung dabei: Die Straße ist offenbar zurückgebaut und von sehr schlechter Qualität, mit dem Rennrad kaum zu bewältigen. Auch hinter der Brücke wird's nicht besser, und zu allem Überfluß ist die Abfahrt in Richtung See auch noch mit Bremssschwellen überzogen, die mich mächtig durchschüttelten.


Die Brücke über den Étang de Welschhof

Dann aber ist man auf der Brücke über den See, und der Anblick ist traumhaft. Dutzende kleine Fischerhütten im Wasser bieten ein einmaliges Bild. Und noch dazu schien die Sonne bei klarstem Himmel, nur geschmückt von einige Wattewölkchen. Klasse!

Man merkt schon, dass die Gegend mal deutsch war...
Mit dem Rennrad kommt man dann super am Rande des Sees vorbei, überfährt den Deich und landet am Ende in Grundviller (natürlich in der Rue de l'Ètang).

Von dort ging's rüber quer über die D656 nach Rémering-lès-Puttelange und weiter nach Diefenbach, wo ich mir - auch zum ersten Mal - den dortigen Étang de Diefenbach besah (auch hier parkten vor den Häusern rund um den See jede Menge Autos mit saarländischen Kennzeichen).

Danach fuhr ich durch den Wald Richtung Hoste, mittendurch zwischen den beiden Seen "Étang de Hoste-Haut" und "Étang de Hoste-Bas", letzterer ebenfalls ein Fischersee.

Kurz vor Altrippe nah der Wasserscheide Albe/Nied
All diese Seen waren Teil der "Ligne maginot aquatique" - ich fuhr dann weiter über Leyviller, Altrippe und Maxstadt, ehe ich hinter Laning zum höchsten Punkt der Rundfahrt kam, ein Wasserbunker kurz vor Frémestroff.

Nach einer schönen Abfahrt durch Freybouse hinunter auf die D674 ging's dann raus aus dem Einzugsbereich der "deutschen Nied" wieder rüber in Richtung Albetal.

In Hellimer überquerte ich die Zelle, einen Nebenfluß der Albe, und dieselbe kurz danach erstmal in Nelling, dann ging's hoch nach Insming und wieder runter über die Albe zwischen Kappelkinger und Überkinger.

Das Schöne an der Gegend: Richtig flach ist's nicht, es gibt schon Wellen und sogar einige kurze, knackige Anstiege, aber insgesamt rollt es richtig gut. Ich hatte einen Schnitt von über 29 km/h.

Langsam nahte der Abend kurz vor Hirbach
Nun ging es langsam zurück in Richtung Mutterbach, ich wollte dann über den Radweg zwischen Grundviller und Hambach. Es wurde auch langsam dunkel, aber nicht schlimm - Beleuchtung hatte ich ja dabei. So ging's dann über die Rue principale entlang des Étang de Hirbach durch den gleichnamigen Weiler und weiter nach Rémering-lès-Puttelange, wo ich wieder auf den Hinweg traf und diesem bis nach Grundviller folgte, dann ging's über den Radweg entlang und unter der A4 durch nach Hambach, wo ich kurz Pause machte und die Lampen montierte.

Der Rest war einfach: Hambach, Roth, die Rue de la Montagne runter nach Sarreguemines und dann immer entlang der Haupstraße (an den Leinpfad fuhr ich nicht mehr) in Richtung Record.

Am Ende schöne 102,3 km in 3:30h. Mit 242 Watt im Schnitt (257 normalisiert) hab ich mich schon schön ausgepowert, aber nicht entleibt. Wie immer ein sehr befriedigendes Erlebnis! Und endlich die 5.000 km mit dem Rennrad für 2017 voll. Insgesamt (mit Laufen und MTB) sind's noch 150 bis zu den 7.000!











Samstag, 26. August 2017

#granfondo_2017_17 Ronde de l'Étang du Stock avec Roman




Spätsommerexpress zum Stockweiher


Mit Roman im D-Zug-Tempo bis fast zum Rhein-Marne-Kanal und zurück


Für heute hatten Roman und ich uns einiges vorgenommen: Eine schöne Runde durch Lothringen und das Albe-Tal mit einem Abstecher nach Munster, dann bis zum Stockweiher und von dort aus den Saarkanal bis Saaralbe "auf Zug" fahren. Den Rest - mal sehen. Ein 200er sollte es aber für mich schon werden (für Roman fraglos mehr, er kam aus Hüttigweiler zum Treffpunkt nach NK).

Roman am Beginn des Anstiegs Saartal - Rouhling
Pünktlich, sogar überpünktlich um 05.56 Uhr ging's los. Wir fuhren zunächst unspektakulär über das Rohrbachtal, Güdingen und die Saar hinauf bis nach Grossbliederstroff.

Dann wurd's schön - und ernst. Hoch nach Rouhling fuhr jeder sein Tempo, da musste ich dann doch abreissen lassen, in solch langen Anstiegen kann ich Roman nicht folgen. Zumindest konnte ich ihn aber noch sehen, als ich in Rouhling ankam, so dass er nicht allzu lange warten musste. Nun ging's über die Höhe in Richtung Cadenbronn / Nouseviller-Saint-Nabor, wo ich einen Vorsprung hatte, wenn auch nur an Wissen - ich zeigte Roman die Nebenstrecke abseits der D81, auf der man Cadenbronn vollasphaltiert umfahren kann und die einen tollen Ausblick bis hin zu den Vogesen bietet.

Ausstellung in der Kirche in Munster
Wir blieben dann aber auf der D81 durch Metzing in Richtung Gubenhouse und fuhren durch Puttelange-aux-Lacs und Rémering-lès-Puttelange, durch Hilsprich und andere schöne lotrhingische Dörfer.

Die Albe überquerten wir zwischen Nelling und Insming, dann ging's durch Albestroff, über die Rose, und schon waren wir in Munster.

Weithin sichtbares Wahrzeichen der kleinen Gemeinde ist das namengebende „Münster“ – die Stiftskirche Saint-Nicolas aus dem 13. Jahrhundert mit ihren 73 Meter hohen Türmen. Die Kirche wurde im 15. und 18. Jahrhundert modernisiert.

Das besondere an ihr: Die "Cathedral Basilica of the Immaculate Conception" in Denver, Colorado ist eine nahezu vollkommene Kopie dieser Kirche. Der Detroiter Architekt Leon Coquard entwarf nämlich die Kathedrale im französisch-gothischen Stil nach Plänen, die ihm vom Bischof  überlassen wurden. Dieser hieß Nicholas Chrysostom Matz und war - na, wer kann sich's denken? - genau: gebürtig aus Münster.

Danach ging's weiter in südwestlicher Richtung, zunächst durch Insviller Richtung Loudrefing. Eine Überraschung gab's: Einige Kilometer "strade bianchi" in Richtung der Gleise des TGV, die wir dann aber zum Glück wieder auf Aspahlt querten. Da hatten wir beide Glück, dass die Dackelschneider heil blieben!
Gravel, baby!

Nach ca. 80 km kamen wir durch Belles-Fôrets, Roman spannte sich vorn rein und hielt das Tempo hoch. Zum Glück hatte ich keinen "jour sans", sondern recht gute Beine, und kam gerade so mit.

Hier waren wir nun ganz in der Nähe des Étang du Lindre und damit schon fast aus dem Einzugsgebiets der Saar raus - wir kamen durch Fribourg, wo wenige hundert Meter entfernt  die Seille entspringt, ein Nebenfluß der Mosel.

Nun ging's aber wieder ostwärts Richtung Étang du Stock! Und nach fast genau 100 km auf meinem Tacho waren wir dann am Saarkanal, wo wir den "Afterburner" zündeten - in weniger als einer Stunde flogen wir den Leinpfad entlang des Kanals runter bis nach Sarrealbe, mit einem 35,8er-Schnitt! Hätten Roman und ich gewußt, dass uns damit bis zur KOM nur knapp 45 Sekunden fehlten, hätten wir mit Sicherheit noch etwas mehr Gas gegeben - so mussten wir dann halt mit den Podestplätzen zufrieden sein ;-).

Kaffeestopp in Sarrealbe
In Sarrealbe gönnten wir uns dafür aber in der Kultkneipe "Le crocodile" einen leckeren Kaffee!

Danach ging's zurück in Richtung Sarreguemines - wir wählten die Route über Willerwald, Hambach und Neufgrange, denn flach getreten hatten wir nun echt genug.

In Sarreguemines machten wir uns dann auf den Bliestal-Radweg und ließen's von nun an locker ausrollen - nächster und letzter Stopp war dann das "Rumpelfass" in Limbach.

Danach war schon fast "Cooldown" angesagt - die letzten zehn Kilometer strampelten wir wirklich locker runter. Roman begleitete mich noch bis nach Hause, ehe er den 15 km langen Heimweg nach Hüttigweiler antrat - nach Studium seiner Strava-Aufzeichnung weiß ich jetzt auch, dass er sich den nötigen Brennstoff im Bäckerhaus Ecker geschnappt hat ;-).

War eine richtig klasse Runde!

Sonntag, 2. Juli 2017

#granfondo_2017_11 Excursion en Lorraine



Elfter Hunderter 2017


Ausflug ins Lothringen - immer wieder schön!

Blick ins herrliche Lothringen kurz vor Théding an der D30

Ich werd ja oft gefragt: "Wo nimmst Du eigentlich in diesem Amt die Zeit her, so lange Ausdauersport-Einheiten zu machen?"

Die Frage wird oft nicht aus Interesse gestellt, sondern impliziert einen kleinen, gemeinen Vorwurf: "Während andere arbeiten und ihren repräsentativen Verpflichtungen nachgehen, fährst Du Rad!" - oder so ähnlich.

Das ist mit ein Grund, warum ich so offen darüber blogge - jeder kann sehen, wie ich mir die Zeit mache. Zum Beispiel so wie heute - man kann Sonntagsmorgens vier Stunden Radfahren und trotzdem ab 10 Uhr Kirchgänge, Repräsentanztermine und ähnliches machen. Wenn man um 05:30 Uhr losfährt, haut das hin.

Das macht natürlich im Sommer mehr Spaß, aber auch im Herbst und Winter geht das. Dann wird halt mehr gelaufen, das geht auch mit Kopflampe auf verkehrsarmen Strecken, z.B. rund um die Redener Halde.

Heute ging's ins schöne Lothringen. ich wollte mal in der Nähe von Spicheren eine neue Route austesten und im Bereich der "Ligne Maginot aquatique" die Strecke über Cappel bis Hellimer fahren, von dort dann über Puttelange-aux-Lacs zurück.

Der Anstieg raus aus Spicheren direkt nach Etzling
Das Rohrbachtal hinunter, dann über Güdingen und Alsting gelangte ich nach Spicheren, und dann kam gleich mal der erste "Klopper": Der Anstieg die rue d'etzling hoch zum Chemin du Chateau d'eau: Fast 50 hm auf 600m. Aua!

Über Etzling ging's dann nach Gaubiving, Folkling, Théding nach Farébersviller und dann über die A4 drüber nach Cappel, vorbei am Forét de Farschviller, an dessen Westseite die "deutsche Nied" entspringt.

Ab hier rollte es richtig gut, ich war nun auch so richtig auf Betriebstemperatur und trat ab der Querung der A4 in Richtung Süden bis zur erneuten Querung auf dem Rückweg eine NP ("Normalized Power" ist der Leistungsdurchschnitt, gemessen in Watt, der die Änderungen in den Fahrbedingungen berücksichtigt -Wind, viele Antritte und Veränderungen in der Höhe werden hier mit einberechnet) von 250 Watt bei einem Schnitt von 31,3 km/h.

Zurück an der Saar bei Grossbliederstroff
In Sarreguemines leitete mich meine auf gpsies.com erstellte Route übrigens auf dem Weg ins Saartal die Rue des Haagwald bis zum Ende runter - da stand ich dann vor einem Waldweg, aber es ging leidlich mit dem Rennrad, ehe ich wieder auf der mir bekannten Rue de Woustviller war, die mich dann sicher runter an die Saar führte.

Der Rest war locker - über Güdingen und das Rohrbachtal hinauf ging's heimwärts, diesmal aber durch Spiesen und nicht über Elversberg. Die Spieser Hohl am Ende tat dann zwar ein bißchen weh, aber von den 3:36 war ich angenehm überrascht - nur 14 sec. hinter meiner Bestzeit.




Samstag, 3. Juni 2017

#granfondo_2017_08 Verdun-sur-le-Doubs - Dommartin



Der Rest vom Schützenfest!

Die letzten 138 Kilometer meiner Fahrt zur Kommunion meines Patenkindes Alexis

Die Kirche in Baudrières
Was ich gestern begonnen hatte, vollendete ich heute. Gegen sieben Uhr wachte ich - auch ohne Wecker - nach einer Nacht tiefen und erholsamen Schlafes in meinem Hotelzimmer in der "Hostellerie Bourguignonne" auf, trocknete die Radklamotten, die nach der Wäsche gestern abend noch nicht zu 100% trocken waren, mit dem Fön und machte mich startklar - fürs Frühstück.

Das war reichlich und schmeckte vorzüglich, und so konnte ich um kurz nach neun Uhr den Rest der Strecke nach Dommartin in Angriff nehmen.

Der Plan versprach wenig Spektakuläres -  es sollte durch die Bresse gehen, eine natürliche Landschaft und ehemalige Provinz in Ostfrankreich von fast 4000 km², die sich von den Dombes im Süden bis zum Doubs im Norden und von der Saône im Westen bis zum Jura im Osten erstreckt. Sie hat in Nord-Süd-Richtung eine Ausdehnung von rund 100 km und in Ost-West-Richtung von etwa 40 km. Die Bewohner der Landschaft werden Bressans genannt (beziehungsweise die weiblichen Bewohner Bressanes).

Ein leckeres Frühstück erleichterte mir den Einstieg in den Tag
Im Wesentlichen ist die Bresse eine Ebene etwa 180 bis 220 m über dem Meeresspiegel mit einer leichten Neigung nach Westen. Die wichtigsten Flüsse, alles Nebenflüsse der Saône, sind die Seille, die Veyle und die Reyssouze - alle drei sollte ich im Lauf des Tages überqueren.

Die Landschaft neigt sich leicht nach Westen, der Saône zu - für mich bedeutete das relativ flaches Terrain, nur einigermaßen profiliert durch die Täler und Kämme zwischen den Flüssen und Bächen. Es rollte aber von Anfang an gut, trotz leichtem Gegenwind. Mein Sitzfleisch war noch belastbar - allerdings hatte der Gewaltritt von gestern doch seine Spuren hinterlassen, und ich fuhr öfter im Wiegetritt, als ich das eigentlich vorgehabt hatte...

Auf der rechten Seite, im Westen, sah man die Berge das Burgund - Chalon-sur-Saône konnte ich in der Ferne erahnen, ebenso wie später Mâcon.

An der Seille
Ab Simandre, so ab km 36, wurde die Strecke schnurgerade und wandte sich genau gen Süden. Der Gegenwind war spürbar, und in der Ferne sah ich erste Gewitterzellen. Bisher war ich ja vom Regen komplett verschont geblieben - sollte da so bleiben?

Nach 50 km überquerte ich die Seille, und nun hatte ich das Departement Saône-et-Loire verlassen und war im Departement "Ain", benannt nach dem gleichnamigen Fluss.

Zehn Kilometer später ging's über die Reysouzze, und das einzige Zwischenziel, das ich mir für heute gesetzt hatte, rückte langsam näher: Bâgé-le-Châtel ist ein kleines Dorf auf einer Anhöhe, das besondere daran ist der schöne, konzentrisch angelegte Dorfkern mittelalterlicher Herkunft mit einigen Resten der Stadtmauer und zwei Wachtürmen aus rotem Backstein.

Ortsmitte von Bâgé-le-Châtel
Also ich dort ankam (75 Kilometer hatte ich abgerissen, und der Schnitt war 27,9 km/h), suchte ich zuerst mal eine Gaststätte auf, um mich mit einem panaché (natürlich alkoholfrei!) zu erfrischen.

Und da passierte es: Beim Versuch, meine leicht verrutschte Satteltasche richtig zu justieren, flog mir die Halterung komplett auseinander. Ich sah auch, warum: Halterung und Tasche sind mit zwei Plastikdübeln verbunden, nur einen fand ich, den erkannte ich aber - genau so einen hatte ich gestern im Hotelzimmer gefunden und mich noch gewundert, was das sei. Natürlich hatte ich ihn nicht mitgenommen. Das wäre ja auch zu einfach gewesen.

Mist! Alle Versuche, die Halterung mit nur einem Dübel zusammenzubauen und wieder anzuflanschen, scheiterten. Aber der nette Wirt versorgte mich mit Schießdraht und einer Zange, und so konnte ich mir ein Provisorium basteln. Das kostete mich eine halbe Stunde Zeit.

Mit Schießdraht kann man alles flicken!
Als ich wieder vor die Kneipe trat, hatte sich die Wettersituation komplett verändert: Vor mir eine Gewitterzelle, hinter mir eine, und plötzlich kam der Wind von Norden - das hieß, ich hatte plötzlich Rückenwind!

Davon beflügelt, erhöhte ich das Tempo auf dem Weg zur Saône. Bei km 81 überquerte ich die Veyle, das Durchschnittstempo stieg auf 29,1 km/h, aber die Gewitter rückten immer näher.

Ich überwand den einzigen echten Hügel auf dieser Seite der Saône und kam durch Montmerle-sur-Saône, der Ort hat neben dem Berg auch eine Insel in der Saône zu bieten. 105 km waren absolviert.

Das Gewitter drohte nicht nur am Horizont - es kam auch
Auf dem Weg nach Jassan-Rottier erwischte mich der Regen dann doch, mehr noch: Als er zunahm, riss auch noch der Schießdraht zum ersten Mal, und ich mußte nach dem Schreck, weil ich aufgrund des Geräuschs der auf den Reifen fallenden Satteltasche schon glaubte, ich hätte einen Platten, auch noch notdürftig die Drähte neu verrödeln. Danach suchte ich mir einen Unterschlupf in einem Bushäuschen - weiterfahren war fast unmöglich, so stark war der Regen. Es wurde dunkel, man meinte, die Welt ginge unter. Aber wie das mit Weltuntergängen so ist - sie dauern meist nicht lange!

Nachdem der Regen abklang, suchte und fand ich die Brücke über die Saône bei Saint-Bernard, und nachdem ich den Fluss zum dritten und letzten Mal überquert hatte, war ich schon fast auf der Zielgeraden. Ich unterquerte die Autobahn und erkannte das Signe infini der berühmten Künstlerin Marta Pan, das ich schon so oft gesehen hatte und das mir unmissverständlich klar machte, dass ich bald da war.

Dritte und letzte Saône-Querung bei Anse
Es hatte wieder ein wenig stärker angefangen zu regnen, aber das machte jetzt auch nichts mehr aus. Ich fuhr auf der linken Uferseite der Azergues flussaufwärts und dann hinunter über den Fluss nach Civrieux-d'Azergues, von wo aus ich die letzte, hammerharte Steigung (mit ca. 30 Höhenmetern auf 300 Metern, also 10%) nach Dommartin in Angriff nahm.

Als ich oben war, war ich einfach nur noch glücklich. Der letzte Kilometer durch den Ort bis zu Anne, Pascal und den Kindern war ein Klacks.

Kurz nach 15 Uhr war ich dann da. Nach fast 5 Stunden Fahrzeit heute (18,5 insgesamt), einen Schnitt von 28,1 km/h (der Regen und das wellige Terrain am Schluß hatten noch ein wenig am Durchschnittstempo genagt) und insgesamt 518 km an zwei Tagen hatte ich mein Ziel erreicht. Bis auf das lapidare Malheur mit der Tasche keine Panne, kein einziger "crevaison" (Platter) - ich hatte wirklich Glück gehabt!

Mein Patenkind und ich
Alle freuten sich sehr, vor allem Alexis, und ich musste viel erzählen. Kurz darauf war auch meine Familie da, die mit dem Auto angereist war.

Und abends war auch schon die Messe in der Kirche von Dommartin - ein wunderschöner Gottesdienst, fünf Kinder aus Dommartin gingen zur Kommunion, Alexis war der Hahn im Korb neben vier Mädchen!

Wir verbrachten zwei schöne Tage, hatten eine tolle Kommunionfeier und kehrten Sonntagsabends spät sehr glücklich zurück.

So was mach ich sicher nochmal! Die Fahrt war unbeschreiblich schön. Wie eingangs bereits erwähnt: Frankreich so zu erleben, ist etwas, was man mit Geld nicht kaufen kann. Ich hab schon einige Pläne im Kopf. Auf ein Neues!

Epilog:

Heute, am 23.06., erhielt ich Post von der Firma Ortlieb, dem Produzenten meiner Satteltasche. Ich hatte diese einige Tage nach meiner Rückkehr (am 13.06.) mit der Bitte um kulante Reparatur eingeschickt. Die Tasche ist wieder voll funktionsfähig, die beiden Spritzgussteile eingesetzt, alles wieder gut. So geht Kundendienst. Dickes Lob!




Freitag, 2. Juni 2017

#granfondo_2017_07 Neunkirchen - Verdun-sur-le-Doubs


Voyage, Voyage...


518 Kilometer mit dem Rennrad von Neunkirchen nach Dommartin - Tag 1

Wenn Rekorde purzeln, bleibt einem das in Erinnerung. Aber nur die nackten Zahlen (380 km an einem Tag hatte ich noch nie, der Rekord war - erst vor einigen Wochen - 239,3 km beim Schmelzer Möve-Marathon) allein sind es nicht, die diese zwei Tage unvergesslich machen. Es ist einfach das intensive Erleben der Landschaft, meiner Heimat, die nicht hinter Güdingen aufhört und auch vor Nationalgrenzen nicht haltmacht, sondern noch viele, viele Kilometer weiter geht, jedenfalls in meinem Herzen, und auch von Frankreich jenseits meiner gewohnten Umgebung.

Das bepackte grauschwarze Ross kurz vor der Abfahrt...
Es ist ja nun nichts Neues, dass man auf dem Rad von der Umgebung viel mehr mitbekommt als im Auto. Aber so, wie ich es jetzt erlebt habe, war es einfach herrlich.

Doch der Reihe nach: Diese Fahrt nach Dommartin bei Lyon zu unseren Freunden, den Doreaus, hatte ich eigentlich schon im letzten Jahr vorgehabt. Damals war ich aber gesundheitlich nicht in der Lage, sowohl die nötigen Fundamente im Training zu legen als auch eine solch lange Strecke am Stück zu fahren. Nun, aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

...und der Fahrer in froher Erwartung.
Als wir aber im Frühjahr die Einladung zur Kommunion meines Patenkindes Alexis erhielten, gab es für mich keinen Zweifel: Diesmal würde ich die Chance nutzen, mir diesen Traum zu erfüllen. Der Plan war, dass ich Freitags fahren würde, die Familie käme Samstags mit dem Auto. Zwar war ich bis Ende April recht wenig auf dem Rad unterwegs gewesen, aber durch meine Vorbereitung auf den Hamburg-Marathon hatte ich zumindest die Grundlagenausdauer, jetzt fehlte nur noch das radspezifische Training.

In den letzten Wochen nutzte ich daher jede Gelegenheit, insbesondere längere Strecken zu fahren. Was auf jeden Fall ein Glücksgriff für mich war: Dass ich einige Touren mit Roman Baltes fuhr, der nicht nur ein angenehmer Zeitgenosse ist, sondern auch vom Niveau her nicht allzu weit von mir entfernt (d.h., ich komme gerade noch so mit) und auch sehr erfahren in der Vorbereitung von längeren Fahrten, so genannten Brevets, ist. Den einen oder anderen Tip nahm ich begierig auf.

Kilometer 0,4 - noch war's stockduster
Klar war: Ich würde sehr früh am Morgen losfahren, zum einen, um die Morgenkühle noch auszunutzen, zum anderen aber auch, um für den Fall, dass alles optimal lief, zumindest theoretisch in der Lage zu sein, die gesamte Strecke an einem Tag zu bewältigen, ohne mitten in der Nacht bei meinen Freunden in Dommartin anzukommen. Ich hatte mir - vorsichtig, wie ich bin - mal einen Schnitt von 26 km/h vorgenommen. Wäre ich so also durchgefahren, ohne einmal zu halten, wäre ich um genau Mitternacht in Dommartin angekommen - soweit die Theorie.

Mit dem Wetter hatte ich natürlich wahnsinnig Glück. Auch wenn es ein sehr warmer Tag zu werden versprach, sollte es trocken bleiben – das war das Allerwichtigste.

An der Saar nach ca. 25 Kilometern - der Morgen graut...
Bei der letzten Vorbereitungsfahrt am Mittwoch, als wir die Auftaktetappe der Trofeo rund um den Höcherberg abgefahren waren, hatten die Jungs ordentlich draufgetreten. Ich hatte natürlich mitgezogen, aber dauerhaft über 240 Watt im Training waren dann doch ein wenig viel für meine Muskulatur, und ich spürte unten im Glantal bei Waldmohr, dass meine Waden richtig hart wurden. Da deuteten sich sogar erste Krämpfe an. Also tat ich am letzten Tag bzw. in den letzten Stunden vor der Abfahrt noch etwas für meinen Magnesiumhaushalt. Auch besorgte ich mir noch einige Ampullen Enduu, diese Muntermacher aus der Produktion des Neunkirchers Carsten Schulz haben mir gerade im Ausdauerbereich schon sehr oft geholfen. Soviel vorweg: Auch diesmal. Vier hatte ich dabei, am Ende war mir klar: Ich hätte besser acht mitgenommen.

Auf der Rue Jean Frédéric Lehmann in Sarreguemines
Das Taschenpacken am Donnerstag geriet ein klein wenig zu einer Wissenschaft. Was nimmst Du mit?

Auf jeden Fall einmal Badelatschen und eine kurze Laufhose beziehungsweise ein Funktionsshirt, um sich bei einem eventuellen Hotelaufenthalt nach der Dusche nicht noch einmal in die verschwitzten Radklamotten zwängen zu müssen.

Die Bekleidung ließ sich eingepackt gut an den Außenschnallen der Satteltasche befestigen.

Die Tasche selbst war dann voll mit Flickzeug, jede Menge Proviant in fester und flüssiger Form sowie zwei Akkupacks für die Beleuchtung beziehungsweise das Handy und den Garmin Edge 1000.

Sarralbe
Nach den Erkenntnissen, die ich aus der Analyse meiner Leistungsdaten gezogen hatte, wusste ich, dass ich mit einem Durchschnitt von ca. 200 Watt gut zurecht kommen würde, aber tunlichst vermeiden sollte, meine Körner zu früh zu verschießen, indem ich etwa Anstiege, die ich ja eigentlich total gerne mag, husarenmäßig in Angriff nehmen würde. Vorausgesetzt, ich bliebe hier vernünftig, sollten die Tanks dann doch reichen. Dachte ich mir.

Vorsichtshalber hatte ich mir ab Kilometer 300 circa alle 30 km eine mögliche Bleibe herausgesucht, die ich im Notfall würde anrufen und nach einem Zimmer fragen können.

Ich ging am Donnerstagabend also früh zu Bett und freute mich schon wahnsinnig auf den nächsten Morgen.

Die ersten 100 Kilometer: Von Zuhause bis ins Département Meurthe-et-Moselle


Um 3:20 Uhr klingelte dann der Wecker. Hätte er gar nicht gemusst, ich lag seit 3 Uhr ohnehin wach.

Die Vorfreude halt.

Am Saarkanal an der Brücke über die Albe
Da ich mir alles schon zurecht gelegt und das Rad abfahrbereit in den Hausflur gestellt hatte, konnte ich mir genügend Zeit für ein ausgiebiges und ordentliches Frühstück nehmen. Nach einer nochmaligen Überprüfung von Reifendruck, Akku-Ladestand der Shimano Di2-Schaltung und sonstigen Kleinigkeiten ging es dann um kurz nach 4:00 Uhr los.

Ich fürchtete mich ein wenig, als würde ich in das große Unbekannte starten, dabei waren wir die ersten 100 km der Strecke durchaus vertraut.

Den Saarkanal hinunter bis Gondrexange war ich jetzt wirklich schon sehr oft gefahren. Und auch heute Morgen lief es sehr gut. Ich hatte mir wie gesagt recht defensiv mal ein 26er Schnitt vorgenommen, aber gerade das Rohrbachtal hinab und dann entlang der Saar rollte es ausgesprochen gut, und so war ich schon nach circa einer Stunde und zehn Minuten in Sarreguemines und damit im Departement "Moselle".

Wunderschöner Sonnenaufgang über der Saaraue
Nahe der Mündung meines "Heimatflusses", der Blies, in die Saar hatte ich mich, um hier einige Kilometer zu sparen, entschlossen, über die "Rue de la  Montagne" und durch Roth und Hambach zu fahren, um so nach Sarralbe zu gelangen. Dann sollte es am Saarkanal entlang gehen.

Von den olfaktorischen Besonderheiten einer solchen Fahrt habe ich ja schon geschrieben. In Hambach öffnete gerade, als ich vorbeifuhr, eine Bäckerei ihre Pforten. Das roch so intensiv und gut, dass ich am liebsten halt gemacht hätte, um gleich mal ein Baguette zu verspeisen. Ich war jedoch vernünftig und fuhr weiter.

In Sarralbe angekommen ging es dann an den Saarkanal. Hier war es ziemlich kühl, das Thermometer zeigte einstellige Temperaturen, aber ich empfand das als sehr angenehm, zumal ich noch eine Windjacke trug.

9,8°C - und es wurde sogar noch etwas kühler...
Das Tolle am Saarkanal am frühen Morgen: Die zahlreichen Fischreiher betrachten Dich offenbar als einer der ihren und begleiten Dich die ganze Zeit - immer abwechselnd, wie eine Staffelmannschaft.

 Man kann es auf dem beigefügten Video richtig schön sehen. Das war wirklich ein ganz besonderes Erlebnis!

Ich hatte mittlerweile irgendwie auf Autopilot geschaltet und strampelte gleichmäßig meinen Stiefel runter, vorbei an Harskirchen, Mittersheim und dann entlang des "Schleusencountdowns" (nach dem Mittersheimer Weiher kommen die Schleusen fast im 500m-Abstand) in Richtung "Étang du Stock".


Auf dem Weg dorthin hatte ich kurz mal das Departement "Moselle" verlassen und war wenige Kilometer im Departement "Bas-Rhin" unterwegs gewesen...

Um kurz nach sieben war ich an der "Écluse No. 1" in Diane-Capelle. Hier machte ich meine erste richtige Pause.

In der Ferne kann man die Vogesen und den Donon sehen!
Ich cremte mich ordentlich mit Sonnencreme ein, frühstückte zum zweiten Mal und dehnte vor allem meine Wadenmuskulatur ordentlich. Die deutete aber überhaupt keine Probleme an, was mich sehr beruhigte.

Nun war der Tag aber auch endgültig angebrochen, es wurde warm, und ich verstaute die langärmelige Windjacke in der Satteltasche.

Ich verabschiedete mich vom Saarkanal, weiter ging es über die Ortslage von Diane-Capelle, Gondrexange, den Rhein-Marne-Kanal und ab in die hügelige Landschaft in Richtung Meurthe. Und ins gleichnamige Departement  "Meurthe-et-Moselle".

Die zweiten 100 Kilometer: Meurthe, Moselle, Coney bis Fontenoy-le-Château

 

Bei Gogney passierte ich die 100-km-Marke und fuhr weiter in Richtung Baccarat, das durch seine Kristallglasmanufaktur weit über die Grenzen der Region hinaus bekannt ist, um nach der Saar bei Güdingen und der Albe in Sarralbe den ersten größeren Fluß zu überqueren: Die Meurthe, einen Nebenfluß der Mosel (Moselle), der oben in den Vogesen an der Route des Crêtes entspringt, am Ende Nancy durchfließt und am nördlichen Ende der Stadt in den zweitgrößten Nebenfluss des Rheins (nach der Meuse, deutsch: Maas) mündet.

Der "Canal de la Marne au Rhin" bei Gondrexange
Auf dem Weg dorthin kam ich durch Blâmont und traf dort auf die Vezouze, einen Nebenfluss der Meurthe, der bei Luneville ca. 30 Kilometer weiter westlich mit dieser zusammenfließt.

Es ging einige Kilometer flussabwärts bis Domèvre-sur-Vezouze, wo ich nach Süden abbog und mich daran machte, die Wasserscheide zur Meurthe zu überqueren.

Diesen Teil der Strecke kannte ich: Vor vielen Jahren bei den regelmäßigen Ausflügen des SPD-Ortsvereins Schwarzenholz an die Skihütte des TV Püttlingen in Ventron in den Südvogesen waren wir öfter hier entlanggefahren.

Hurra, hurra, die Saarländer sind da!
Da überholte mich ein Auto mit Neunkircher Kennzeichen, kurz danach hielt es vor mir an. Mir war klar, dass das Radfahrer waren, und ich hielt an, um ein wenig mit Ihnen zu plaudern. Einen der Insassen kannte ich, es war Christian Alt, der mit zwei seiner Kollegen unterwegs war, um ein wenig die Vogesen zu erkunden. Die Jungs wünschten mir Glück, dann ging es auch schon weiter.

Ich durchfuhr die hügelige Landschaft in Richtung Baccarat, links hatte ich immer die Vogesen im Blick. Es ging durch Montigny und Merviller und danach noch ein wenig bergan, ich stoppte kurz zur Nahrungsaufnahme, und dann war ich auch schon auf der kurzen Abfahrt in Richtung Baccarat, unter der über eine hohe Brücke führenden N59 hindurch und dann gings nach links in den Ort und an die Meurthe. Ich überquerte den Fluss und genoss die Aussicht.

Kurz vor Baccarat
Nun kam ein doch schon etwas fordernder Anstieg aus dem Tal der Meurthe hinaus: Knapp drei Kilometer lang, beständig steigend mit 100 Metern Höhendifferenz.

Ich ließ es ruhig angehen, trat 190 Watt im Schnitt und war nach knapp zehn Minuten oben am "Col de la Pêche" - mit richtigem Col-Schild, das 370m über N.N. auswies!

Hier verließ ich auch das Departement "Meurthe et Moselle" und kam ins Departement "Vosges".

Danach ging's runter ins Tal der Belvitte, eines Nebenflußes der Mortagne, die ich nach der Überwindung einer weiteren Hügelkette in Rambervillers erreichte - mittlerweile standen schon 140 km auf dem Tacho.

Baccarat und die Meurthe
Aber dankenswerterweise konnte ich in einem Blumenladen gegenüber der Kirche meine Trinkflaschen auffüllen und schon ging's weiter auf der D46 über die nächsten Hügel, durch Vomécourt, Padoux, Sercœur und Longchamp ab hinein in die Departementhauptstadt Épinal. Wäre ich hier auf der D46 geblieben, anstatt links abzubiegen, wäre ich direkt auf den Canal des Vosges gestoßen, der über die europäische Hauptwasserscheide hinüber in das Nebental der Saône führt, das ich später auf anderem Weg erreichen sollte.

So aber kam ich über die parallel verlaufende D420 mitten in Épinal an, erblickte die Mosel und machte in der Innenstadt eine Mittagspause mit einem alkoholfreien panaché und einem Sandwich, ehe ich den Anstieg aus dem Moseltal hinaus durch den Stadtteil Chantraine in Angriff nahm.

In Épinal an der Mosel
Knapp drei Kilometer, ca. 125 Höhenmeter, dann war man auf einer Art Hochplateau, der Vôge, wo ich auf welligem Terrain überall nach einem Hinweis auf die europäische Hauptwasserscheide suchte, die ja hier irgendwo sein musste.

Auf ihr lag auch gleichzeitig der höchste Punkt meiner gesamten Fahrt. Tatsächlich lag dieser Punkt genau bei km 173 meiner Tour auf der D51 200 Meter südlich des kleinen Dörfchens Renauvoid auf ca. 460m über N.N..

Rechts von der Straße entspringt die Avière, die der Mosel zufließt, links davon der Ruisseau des Colnots, der dem Côney, dem ersten nennenswerten linken Nebenfluß der Saône, zufließt.

Am Canal des Vosges
Kurz danach überquerte ich den Ruisseau des Colnots auch zum ersten Mal, und nach einem letzten Anstieg ging's in eine längere, ziemlich gerade Abfahrt, die im Tal des von links kommenden Côney endete: Nun war ich am Canal des Vosges angekommen. Ich hätte mir 60 Höhenmeter sparen können, wenn ich unten in Épinal der D46 und dem Kanal schon aus dem Moseltal heraus gefolgt wäre, aber so war's auch schön. Den Kanal komplett fahr ich aber auch irgendwann mal!

Ich bog nun links ab und folgte dem Kanal. Wäre ich auf der anderen Seite das Tal wieder hochgefahren, wären es nur noch 13 km über die D3 nach Vioménil gewesen, wo die Saône entspringt (Luftlinie nur 9 km).

Die Landschaft hier ist wirklich wunderschön. Das Hochtal des Côney ist bewaldet, aber auf den angrenzenden Wiesen blühen tolle und bunte Blumen, und die Rindviecher wirken echt glücklich.

Der Côney begleitet den Canal des Vosges und speist ihn auch
Jetzt rollte es aber! Meine Durchschnittsgeschwindigkeit war wenige Kilometer vorher noch mit 27,8 km/h auf dem tiefsten Punkt angekommen, nun aber wuchs sie ständig:

Denn auf den ersten 15 Kilometern ab Erreichen des Kanals trat ich wie befreit in die Pedale, fand einen runden Tritt und konnte - dank der nun überwundenen Wasserscheide - mit etwas über 200 Watt Einsatz einen schönen 31er-Schnitt fahren!

Nach etwas mehr als 200 gefahrenen Kilometern kam ich dann gegen 12:30 Uhr in Fontenoy-le-Château an, wo ich kurz anhielt, weil mein Telefon klingelte...


Die dritten 100 Kilometer: Von Saône zu Saône, mit viel Auf und Ab und jeder Menge Sonne

 

Fontenoy-le-Château
200 Kilometer - das ist schon ein Brett, nur noch 40 km von meiner bisherigen Höchstleistung entfernt. Aber ich fühlte mich erstaunlich fit, weder am Hintern noch an den Füßen hatte ich Schmerzen, und auch, wenn es ein bisschen warm war für meinen Geschmack - das Thermometer zeigte deutlich über 30 °C an - konnte ich überhaupt nicht klagen, zumal der Wind kaum zu spüren war.

Am Telefon war übrigens der Pressesprecher meiner Verwaltung mit der Bitte, mich mal beim SR zu melden, die wollten ein Interview mit mir machen.

Ich probierte es gleich, erreichte aber niemanden, dafür klingelte mein Telefon einige Minuten später. Ich hatte kurz das Tal des Côney verlassen, weil an der Stelle kein Weg am Kanal vorbeiführte, und befand mich auf einer Anhöhe hinter Ambiévillers auf der D434, wo ich kurz Rast machte.

Hinter Ambiévillers vor der erneuten Abfahrt zum Kanal
Genau hier endete übrigens das Departement "Vosges", jetzt war ich im Departement "Haute Saône". Mit Marc Weyrich führte ich dann ein nettes Interview.

Danach ging's weiter, nach einer kurzen Abfahrt war ich wieder am Canal des Vosges und ca. 20 km später kam ich dann zum ersten Mal an die Saône, die an der Stelle, wo der Côney ihr zufließt, gerade mal 55 km jung ist, also noch 425 vor sich hat, bevor sie in Lyon in die Rhone mündet.

221 km hatte ich nun. Noch 19, dann würde der neue Rekord stehen! Ich weiß nicht, ob es diese Einsicht war, aber just in dem Moment meldeten sich erstmals meine Füße mit noch zarten Protestrufen.

Die noch junge Saône kurz vor der Aufnahme des Côney
Es war nun auch so richtig heiß, und langsam wurde es mühsam, zumal hier im Saône-Tal nun, da ich dem Fluss, der nach Südosten floss, nicht mehr folgte, sondern statt dessen den kürzeren, geraderen Weg nach Südwesten nahm, einige Nebenflusstäler mit entsprechenden Hügelketten auf mich warteten.

Und es waren deren einige - zwischen La Gare und Jussey überquerte ich die Amance,in Montigny-lès-Cherlieu die Ougeotte, in Fouvent-le-bas den Vannon, in Achey den Salon.

Zwischen Jussey und Montigny-lès-Charlieu war es dann soweit: Der Tacho zeigte 240 km an, und mein neuer Streckenrekord für eine Eintagesfahrt stand - und sollte noch wachsen.

Suaucourt-et-Pisseloup bei km 258
Aber nun wurde es auch beschwerlich. Der Planet brannte, ich war schon ein wenig müde, und das ständige Auf und Ab zehrte auch ein wenig an meinen Nerven. Da nutzte auch die Schönheit der Landschaft wenig.

So legte ich ab und an kurze Pausen ein, um  meine Trinkwasserflaschen regelmäßig aufzufüllen (ich trank ca. 0,8 Liter auf 20 Kilometern).

In Achey machte ich auch eine längere, weil ich in der Dorfmitte einen mittelalterlichen Waschplatz fand, der zum einen überdacht war, zum anderen nicht nur einen Frischwasserbrunnen, sondern auch ein großes Becken mit kaltem Wasser hatte, wo man Arme, Beine und vor allem Füße schön abkühlen konnte. Perfekt! Danach fühlte ich mich wie neugeboren.

In Achey war so etwas wie ein Jungbrunnen...
Mein Zeitplan war nun aber schon ein wenig durcheinandergeraten: Durch die Trink- und Abkühlpausen (die aber wirklich auch notwendig waren) hatte sich meine voraussichtliche Ankunftszeit in Dommartin trotz eines fast um zwei km/h höheren Schnitts als geplant bereits auf 01:00 Uhr in der Nacht verzögert.

So lange wollte ich die Doreaus aber nicht warten lassen, einen Tag vor der Kommunion. Dann doch lieber zwischen km 350 und 400 Pause gemacht und morgen den Rest gefahren!

Weiter ging's über die Nebenflüsse der Saône: In Oyrières und Auvet-les-Chapelottes überquerte ich verschiedene Bäche des Bachsystems der Ecoulottes. Dann ging's in Richtung Talmay: Mittlerweile waren 300 km absolviert! Raus aus dem Departement "Haute Saône", rein ins Departement "Côte-d'Or"...

km 300 - km 380: Ab jetzt flach, etwas kühler und erträglich - mit der "zweiten Luft"

 

Brücke über den Salon hinter Achey
In Talmay, wo ich eine weitere Pause machte, fuhr ich über die Vingeanne, in Vonges über die Bèze, (ein sehr interessanter Fluss, der sich teilweise aus den versickernden anderen Nebenflüssen der Saône in der Gegend, namentlich der Tille und der Venelle, speist und aus einer großen Karstquelle austritt) in Champdôtre über die Tille und in Trouhans über die Ouche.

Seit Talmay (wo ich leider nach der Pause vergaß, meinen Tacho wieder zu starten, und deshalb 10 km ohne Zähler fuhr, was nach der Heimkehr sehr mühselige und langwierige Reparaturarbeiten an der FIT-Datei erforderlich machte) war trotz der vier recht großen Flüsse, die ich querte, das Terrain schon sehr flach, es gab kaum Steigungen.

Landschaft gab's jede Menge auf der Fahrt!
So kam ich doch noch ganz gut voran - und schließlich doch wieder an der Saône an, nämlich in Saint-Jean-de-Losne, wo die Saône schon zu einem richtig stattlichen Strom herangewachsen ist.

Es war mittlerweile 19.30 Uhr, die Temperatur war auf erträgliche 26° C gesunken, und ich gönnte mir ein weiteres kühles Erfrischungsgetränk in einer netten Kneipe am Quai national.

Ich hatte zwischenzeitlich mit einem Hotel in Verdun-sur-le-Doubs ein Arrangement getroffen und den ersten möglichen Übernachtungspunkt - eben Saint-Jean-de-Losne - verworfen.

Letzte Erfrischung - Saint-Jean-de-Losne am Quai national
Ich war jetzt ja schon ein Stück südlich von Dijon und die Athmosphäre war schon fast mediterran. Mein persönliches "Tal der Tränen" lag lange hinter mir - seit es endlich etwas flacher wurde und ich wieder mit ungefähr 30 km/h meinem Ziel entgegenfuhr, ging es mir auch wieder besser.

Was auch viel ausmachte - es war einfach nicht mehr so heiß. Ich genoss mein "panaché" und futterte noch einige der übergebliebenen Riegel, froh, dass mich im Hotel ein richtiges Abendessen erwartete.

Der nette Mann an der Rezeption hatte mir versprochen, dass alles bereit sei, wenn ich käme, ich solle nur eine halbe Stunde vorher anrufen. Perfekter Service!

Brücke über die Saône
Die Aussicht darauf trieb mich auch an: Nach der Überquerung der Saône (es sollte die zweite und auch die zweitletzte sein, aber für den heutigen Tag die letzte) fuhr ich auf flachem Terrain und mit einem fast konstanten 30er-Schnitt, die letzten 15 Minuten sogar mit einem 32er, dem Ziel entgegen.

Wenn das nicht noch die zweite Luft war, war es eben die dritte - egal.

Ich fühlte mich toll, und ich hätte sogar noch weiterfahren können - auf der anderen Seite war ich echt froh, jetzt meine Pause zu bekommen.

Zwischendurch mal wieder ein Departementwechsel: Raus aus "Côte-d'Or", rein in "Saône-et-Loire". Nachteil der Fahrt in der aufkommenden Kühle und der nahenden "blauen Stunde": Mücken waren reichlich unterwegs, und mit gut 30 km/h und eingecremten Beinen bleibt da so einiges hängen...

Nach 380 km: Verdun-sur-le-Doubs
Kurz nach 21 Uhr war ich dann auf der Brücke über den Doubs, den größten Nebenfluß der Saône, und unmittelbar danach in der "Hostellerie Bourguignonne", einem schicken Hotel mit tollem Flair, nettem Personal und einer hervorragenden Küche.

Ich checkte ein, mein Rad wurde sicher in der Hauswäscherei verstaut, ich meldete mich bei meiner Familie und genoss eine gute Dusche und danach ein hervorragendes Abendessen.

Beim Aufräumen in meinem Zimmer fand ich dann ein kleines schwarzes Stück Plastik, von dem ich nicht wusste, was es darstellte. Es sollte noch eine Rolle spielen...

Meine Herberge für eine Nacht - fürstlich!
Meine Bevorratung war ganz gut aufgegangen, nur mit dem Getränkepulver war's knapp.

Aber ich hatte noch zwei Enduu-Ampullen, eine würde ich morgen nach dem Frühstück zu mir nehmen, die andere während der Fahrt in einer Flasche auflösen.

Ich glaube, dass ich einschlief, als mein Kopf das Kissen berührte. Unter Umständen auch einige Zehntelsekunden vorher. Jedenfalls schlief ich wie ein Baby...