Donnerstag, 20. August 2015

Pic Saint Loup, Pays de l'Hérault und Étang de Thau

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Große Runde durch herrliche Landschaften

 

Nach dem Einrollen von vor zwei Tagen nun die große Runde - ein Höhepunkt unserer ersten Urlaubswoche am Meer, ehe es in die Pyrenäen ging. Berg, Fluß und Meer - alles war dabei!

 


Jan-Robin auf dem Weg zum Pic Saint-Loup
Es sollte heiß werden an diesem Donnerstag, und so fuhren Jan-Robin und ich schon um 07.45 Uhr los - wir hatten uns ja einiges vorgenommen.

Es ging zunächst mal in Richtung Castelnau-le-Lez (hier wurden 1890 Knochen gefunden, die auf einen menschlichen Vorfahren aus der Jungsteinzeit hindeuten, der 3,5 Meter groß gewesen sein soll!) und den Fluß hinauf zum Pic Saint-Loup, der wie ein Wahrzeichen im Norden der Stadt Montpellier thront.

Nach etwas mehr als 20 km waren wir am ersten Anstieg des Tages (eigentlich, abgesehen von einer kleinen Zwischenabfahrt, der einzig richtige) in Richtung Saint-Jean-de-Cuculles und auf die D113 hoch zum Pic Saint-Loup - d.h. nicht ganz hoch, denn der karge Fels ragt aus dem Massiv heraus und ist mit dem Rennrad nur im Bereich von ca. 300m unterhalb des Grats befahrbar.

Am Pic Saint-Loup am Ende des Zwischentals der Yorgues
Über Cazevielle gelangt man dann auf einer welligen Straße in Richtung Viols-le-Fort - hier wären wir vor zwei Tagen auch hingekommen, wenn wir nach Murles nicht wieder den Weg talabwärts gewählt hätten. Kurz danach, nach nunmehr knapp 55 km, ging's auf einer langen Abfahrt hinunter ins Tal des Flußes Hérault.

Am Tag zuvor waren wir schon mal hier gewesen und hatten in den Schluchten des Hérault wenige Kilometer oberhalb im Fluß gebadet, danach das wunderschöne Dörfchen Saint-Guilhem-le-Désert besucht.

Wir passierten bei km 54 die "Teufelsbrücke", also die Pont du diable, wo der Fluß nach 100 km in schluchtiger Landschaft aus dem Bergmassiv heraustritt und auf seinen letzten 50 km Richtung Mittelmeer das breite Flußtal erreicht - eine beeindruckende Kulisse, die zurecht als "Monument historique" unter Denkmalschutz steht.

Auf der neuen Brücke, im Hintergrund die "Gorges de l'Hérault"
Die Pont du Diable ist die wahrscheinlich älteste romanische Steinbrücke Frankreichs, welche noch vollständig erhalten ist, und fast 1.000 Jahre alt - sie wurde zwischen 1.025 und 1.031 n. Chr. erbaut.

Der Name rührt von einer Legende her:
Der Teufel persönlich hatte etwas gegen den Bau der Brücke. Immer des Nachts kam er und zerstörte jeweils das Tageswerk, welches also stets aufs Neue begonnen werden musste.

Da der Bauherr, man sagt ein Nachkomme Wilhelms von Aquitanien, jedoch nicht gewillt war, den Bau der Brücke aufzugeben, machte er dem Teufel ein ungewöhnliches Angebot, das dieser auch für würdig befand anzunehmen.

Er versprach dem Teufel, dass er sich die erste Seele nehmen dürfe, welche die fertig gestellte Brücke überquerte, wenn er den Bau fortan nicht mehr behinderte. So kam es. Der Brückenbau wurde nunmehr zügig vollendet und der Teufel erwartete gespannt seine Seele, die er zu nehmen bereit war. Allerdings war es nicht der Bauherr oder ein anderes Menschenkind, das über die Brücke kam, sondern es war ein Hund mit laut klappernd an den Schwanz gebundenen Töpfen.
 
Die originale "Pont du diable"
Der Teufel geriet daraufhin derartig in Zorn, dass er nicht etwa die neue Brücke wieder zerstörte, sondern das Gleichgewicht verlor, von der Brücke herabstürzte und in den Fluten des Hérault auf Nimmerwiedersehen verschwand.


Der sich wunderschön türkisfarben hinschlängelnde Fluß konnte früher an dieser Stelle aber durchaus teuflisch sein: Immerhin ist er knapp 100 km lang in Schluchten eingezwängt, und wenn es in den Bergen stark regnete, schwoll er massiv an und sprang an dieser Stelle mit Macht und Wucht als braune Fontäne aus dem Bergmassiv heraus - bei u.U. wolkenlosem Himmel und ohne irgendeine Vorankündigung. Heute ist der Hérault allerdings durch mehrere Stauwerke auf dem Weg dorthin einigermaßen gezähmt, aber wenn es regnet, ist er trotzdem noch wie ein wildes Tier.

Dann gibt sich der Strom auch in der Ebene ganz anders: Als wir vier Tage später nach einem total verregneten Sonntag in Richtung Pyrenäen weiterfuhren und auf der A9 kurz vor Béziers über ihn fuhren, war aus dem schönen Türkis ein schmutziges Braun geworden.

Der Hérault kurz vor Pézenas
Über Saint-Jean-de-Fos fuhren wir nun in die Hérault-Ebene und die nächsten 50 km über Gignac, Pézenas, Saint-Thibéry und Bessan in Richtung Agde, der letzten Stadt, die der Hérault passiert, bevor er das Mittelmeer erreicht.

Hier kreuzt auch der Canal du Midi den Hérault, bevor er seine letzten Kilometer in Richtung Étang de Thau nimmt, mit 80 km² einem der größten Lagunenseen Europas.

Wir kamen gut voran, trafen unterwegs noch einen älteren Mitfahrer und wechselten uns schön im Wind ab, während wir größtenteils unter kilometerlangen Plantanendächern geschützt vor der mittlerweile gleissenden Sonne den Hérault hinab rollten. Hier taten wir was für unseren Tagesschnitt, der in diesem Abschnitt zwischen 32 und 35 km/h lag.

Der Canal du Midi in Agde
In Agde angekommen, ging es langsamer voran, was u.a. an dem sehr starken Verkehr in der Stadt lag - es war Wochenmarkt, und die Straßen waren nicht nur vollgestopft mit Autos, sondern auch mit Fußgängern.

Wir verabschiedeten uns vom Hérault und fuhren durch verlandete ehemalige Lagunen in Richtung Étang de Thau nach Marseillan-Plage.

Hier verfuhren wir uns wieder leicht und glaubten, in Richtung Meer zu fahren - dabei fuhren wir in Richtung des Sees, der so groß ist, dass man ihn auch mit dem offenen Meer verwechseln kann.

Blick in Richtung Étang de Thau bei Les Onglous
Wir bemerkten unseren Irrtum aber recht schnell und kehrten um, sodann ging es über die Sandbank "Le Toc" und den wunderschönen "Voie Verte" autofrei in Richtung Sète.

In Sète hatten wir bereits 135 km in den Beinen. Am Vorabend waren wir hier gewesen und hatten mit Pascal, Anne, ihren Kindern und unserer ganzen Familie in einem feinen Restaurant zu Abend gegessen. Jetzt war uns aber mehr nach etwas Kohlehydratreichem, also suchten wir uns ein italienisches Restaurant, an dem wir am Vorabend noch vorbeispaziert waren, und bestellten uns erstmal zwei schöne Portionen Nudeln. Das "Pasta Politi" kann ich durchreisenden Radfahrern nur empfehlen.
Sète erreichten wir gegen 13 Uhr nach 135 km

Direkt am Quai Charles Lemaresquier gelegen, bietet es leckeres Essen zu günstigen Preisen bei schneller und freundlicher Bedienung.

Gut gestärkt fuhren wir weiter entlang des Canal du Rhône á Sète in Richtung Frontignan und entlang der D50 über den Küstenstreifen zwischen Étang d'Ingril und dem Meer nach Nordosten zurück in Richtung Montpellier.

Das Tempo hatten wir schon merklich reduziert: Trotz Rückenwind hatten wir Mühe, einen 30er-Schnitt bei topfebenem Gelände zu halten. Die Hitze und die lange Fahrt forderten schon etwas ihren Tribut.

Der Canal du Rhône á Sète
Trotzdem genossen wir die wunderschöne Landschaft und freuten uns auf die Heimkehr: Am Abend war für die Nicht-Radfahrer noch ein schöner Reitausflug am Étang de l'Arnel geplant. Gar nicht weit von dort überquerten wir ein letztes Mal den Mosson, den wir zwei Tage vorher öfter überfahren hatten, als wir Villeneuve-lès-Maguelone durchfuhren. Nun waren es nur noch knapp 14 km durch Lattes und Montpellier bis nach Hause.

Kurz vor 15 Uhr waren wir wohlbehalten wieder zurück. Für Jan-Robin waren die 177,5 km seine bisher längste Radfahrt, er meisterte die Distanz mit Bravour. Eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 28,2 km/h auf dieser Strecke hätte ich im Leben nicht erwartet, aber der Wind stand auch günstig. Zum Abschluß der Rennradaktivitäten im Languedoc-Roussillon war das aber schon passend. Nun warteten die Pyrenäen auf uns...





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