Donnerstag, 15. Juni 2017

#granfondo_2017_09 RTF Pirmasens "Schlabbeflicker-Marathon"



Wie der Blitz durch die Pfalz!

Geile Premiere beim "Schlabbeflicker"-Marathon dank toller Teamleistung

Den "Schlabbeflicker"-Marathon in Pirmasens wollte ich immer schon mal fahren. Heute war es endlich so weit, und ich freute mich wahnsinnig darauf: Mit Roman und Mark war ich zum gemeinsamen Hinfahren verabredet, und treffen wollten wir noch einige Saarländer mehr, um dann als Team von mindestens acht Fahrern richtig einen rauszuhauen.

Unser Zug im Hornbachtal
Pünktlich um fünf Uhr trafen wir uns bei mir zuhause, flugs waren die Räder in Romans Vito verstaut, noch schnell eine Tasse Kaffee, und ab ging's nach "Schlabbeflicker-City", wo wir um 05:40 Uhr eintrafen.

Dank scan&bike waren wir schnell angemeldet, und wenn wir auch den "offiziellen" Start um 06:00 Uhr verpassten, gingen wir dann doch nur wenige Minuten später auf die Piste. Sebastian, Christian, Maximilian, Eric und auch weitere Saar-Fahrer bildeten insgesamt eine zwölf Mann starke Truppe, die von Beginn an toll harmonierte. Über Winzeln und durchs Felsalbtal ging es rüber auf die Riedelberger Höhe und dann runter ins Hornbachtal.

Die Zitadelle in Bitche
Wir rollten gut zusammen und spätestens ab Waldhouse klappte auch der Zug so richtig gut. Die 11,6 km bis Bitche rissen wir in zwanzig Minuten ab, ein Schnitt von 34 km/h. Kurz vor Bitche fuhren wir eine vor uns gestartete Gruppe auf, und an der ersten Rast unterhalb der Zitadelle trafen wir auch noch einige Jungs aus Hirzweiler und Umgebung.

So fuhren wir ab Camp Bitche mit einem 21er-Feld nach Osten. Auch hier wurde schön geheizt. Für die knapp 34 km von Bitche bis zum Fuß des Col du Pfaffenschlick hinter Lembach brauchten wir nur knapp 56 Minuten - ein Schnitt von über 36 km/h. Da sieht man mal, was so ein großes Feld ausmacht.

Mark kurz vor Wissembourg - am Horizont der Schwarzwald
Ich hatte allerdings auf den letzten 20 Minuten Probleme - mir war ein ekliges Sonnencreme-Schweiß-Gemisch ins linke Auge gelaufen, und da kann man, zumal bei dem Tempo, nicht viel machen, außer sich nach hinten begeben, vorsichtig dranbleiben und hoffen, dass die verstärkte Tränenproduktion das ganze irgendwann auswäscht. Das klappte zum Glück auch, und am Fuß des Col du Pfaffenschlick hatte ich wieder freie Sicht.

Am Berg fuhr jeder sein Tempo, doch oben warteten alle an der zweiten Kontrollstelle. Danach ging's gemeinsam weiter in Richtung Wissembourg - auf dieser welligen Piste harmonierte das Feld nicht so gut wie vorher, besser wurde es erst wieder nach Wissembourg, als wir die Wieslauter hinauffuhren.

Auf der Höhe hinter Hermersbergerhof
Im Reisbachtal auf der L492 passierten wir die 100-km-Marke, und meine Uhr zeigte 2:59:50 reine Fahrzeit - so schnelle 100 km war ich noch nie gefahren, ein 33,3er Schnitt - wow!

Wir passierten die Anhöhe des Grates zwischen dem großen Eichelberg und der hohen Derst und fuhren ab ins Erlenbachtal an den Ortseingang von Bad Bergzabern, hier war der Tagesschnitt mit 33,7 km/h am höchsten, dann ging's nach links den Erlenbach hoch.

Und da passierte es leider - in dem kleinen Örtchen Birkenhördt hörte ich es kurz hinter mir krachen. Maximilian und Mark waren irgendwie zusammengerasselt und stürzten beide. Unsere Kerntruppe bleib zusammen, dank einer netten Einwohnerin bekamen wir auch einen Eimer warmes Wasser und einige Handtücher, und so konnten beide ihre Schrammen erstversorgen und zum Glück weiterfahren.

Im Speyerbachtal bei Kontrolle 5: Nudelsalat, baby!
Bei der nächsten Kontrolle in Vorderweidenthal musste Mark dann leider passen - sein Handgelenk schmerzte, er entschied sich zur Heimfahrt und wollte eigentlich in Pirmasens abgeholt werden. Der alte Kämpfer fuhr dann aber tatsächlich bis nach Hause - Chapeau, aber so lädiert wie er war, wären die nun folgenden Anstiege wirklich nicht zu empfehlen gewesen.

Wir fuhren zu elft etwas wellig, dann das Spirkelbachtal hinab bis ins Tal der Queich, und in Wilgartswiesen wartete dann der erste richtig lange und schwere Anstieg des Tages - von 240 m über N.N. ging's 300 hm hoch nach Hermersbergerhof.

Ein Selfie muss sein - hier nahe bei Höheinöd!
Hier fuhr wieder jeder sein Tempo, dem Bergfloh Maximilian oder einem starken Fahrer wie Roman konnte ich zwar nicht ganz folgen, kam aber ansonsten richtig gut hoch: Ca. 22 Minuten für den 6,5 km-Anstieg bedeuteten einen Schnitt von immerhin 17,5 km/h bei einer Steigung von fast 5% im Schnitt mit Spitzen um 10-11%. Immerhin 264 Watt im Schnitt, obwohl im mich auch eingedenk der Restdistanz nicht voll auspowerte.

Nach einer kurzen Pause, bis wir wieder alle zusammen waren, ging's in Richtung Johanniskreuz und dann auf eine rasende, lange Abfahrt über 5 km mit einem 56er-Schnitt (Spitze 77 km/h) über Iggelbach runter nach Elmstein ins Speyerbachtal.

161 km waren absolviert, und bei der vierten Kontrolle gab's Nudelsalat! Wir kloppten uns die Bäuche voll und gingen in den nächsten Anstieg, zurück hoch ans Johanniskreuz. Ich kam super hoch und hatte das Gefühl, mit wachsender Distanz sogar noch stärker zu werden - klasse!

Noch ca. 15 km...
Oben angekommen, ging's gleich unweit der Quelle der Moosalbe hinunter und über Hermersberg durchs Weihertal nach Waldfischbach-Burgalben. Hier verpassten wir leider die Einfahrt zur nächsten Kontrolle, weil irgendein Witzbold den Pfeil entfernt hatte. So gab's drei Kilometer extra, bis wir schließlich umkehrten und dann doch den Weg Richtung Heltersberg und zur fünften Kontrolle fanden.

Danach nahmen wir den zweitletzten Anstieg auf die Weselberger Höhe in Angriff, und kaum waren wir oben, ging's über Höheinöd auch schon wieder runter ins Schwarzbachtal nach Thaleischweiler-Fröschen. Die Gruppe war nun ein wenig auseinandergeflogen, aber nun war es ja auch nicht mehr weit. Den Schnitt von über 31 km/h wollte ich unbedingt noch retten, und das gelang mit 31,3 km/h auch trotz des letzten, nun doch nicht mehr so leichten Anstiegs hoch nach Höheischweiler und zurück zum Start.

Am Stadion kamen wir dann doch wieder alle zusammen, und nach einer guten Dusche und einigen alkoholfreien Weizenbieren (wir tranken den armen Schlabbeflicker-Organisatoren den ganzen Vorrat leer) nahmen wir dankbar unser Geschenk (ich ein Poloshirt) entgegen und beschlossen einen tollen Marathon-Tag.

Knapp unter sieben Stunden reine Fahrzeit für 218,5 km mit fast 3.600 Höhenmetern, einer 86er-Trittfrequenz und 211 Watt im Schnitt - mit diesen Werten war ich sehr zufrieden.

Roman und ich fuhren dann nach Hause, nicht ohne uns nach Mark zu erkundigen und erleichtert von seiner Heimfahrt zu hören. Das war der einzige Negativpunkt an einem ansonsten nahezu perfekten Marathontag!

Danke an alle, die mitgefahren sind, und an die Jungs vom RSV Pirmasens für dieses tolle Erlebnis. Da sind 20,- € Startgeld echt geschenkt - sechs mal Essen, immer was anderes, auch heimische Delikatessen wie den weißen Käse in Vorderweidenthal, und dann noch ein tolles Poloshirt obendrauf, sind echt geschenkt - die RSVler lieben ihren Marathon und geben sich echt richtige Mühe. Gerne wieder!






Sonntag, 11. Juni 2017

Sternfahrt RTF Phönix Riegelsberg



Kurze Runde zu früher Stunde

Wegen Zeitmangel heute leider keine Strecke - nur Sternfahrt...

Blick von Bildstock auf die Sulzbachtalbrücke
Am heutigen Sonntag war mir leider die Voll-Teilnahme an einer der schönsten RTF-Veranstaltungen im Saarland nicht möglich.

Die RTF "Vom Köllertal zum Saargau" der RSF Phönix Riegelsberg bietet abwechselungsreiche Strecken von 50/ 80/ 115 bzw. 154 km, aber ich hatte nur Zeit für eine Sternfahrt.

Also ging's um kurz nach 8 Uhr los, einen ordentlichen Anstieg baute ich mir aber doch ein: Aus dem Fischbachtal ging's über Quierschied hoch auf die Göttelborner Höhe bis kurz vor Holz.

Danach runter ins Köllertal an die Köllertalhalle in Walpershofen, wo ich nicht nur meinen SRB-Vizepräsidenten Günter Eisenbach traf, sondern eine große Gruppe des RV Blitz Oberbexbach.

Die alten Recken vom RV Blitz Oberbexbach
Ein Stück Kuchen und eine Tasse Kaffee später machte ich mich dann auch schon auf die Heimfahrt durch das Köllertal bis nach Völklingen an die Saar, von dort nach Saarbrücken und durchs Rohrbachtal wieder zurück nach Hause.

Die "Spieser Hohl" nahm ich diesmal leicht. Mir fehlte ehrlich gesagt die Motivation, heute hier hochzukeulen - vor allem bei der Hitze. Trotzdem: Eine schöne Runde!

Mittwoch, 7. Juni 2017

Mittwochabendrunde den Wiesbach hinab

 

Mittwochabends ins Wiesbachtal

Die Altherrenrunde mal wieder vereint 

Endlich klappte es mal an zwei Mittwochen hintereinander, und heute fuhr ich auch wieder mit Elmar und Martin, nachdem diese letzten Mittwoch bei der Münchwies-Runde noch gepasst hatten. Mit dabei war auch Dirk, der allerdings auf die "Waffengleichheit" pfiff und mit dem E-Bike antrat. Aber da sind wir ja großzügig...

Für mich war's der erste Ausritt nach dem 518-km-Ritt über zwei Tage von Neunkirchen nach Dommartin, wobei die erste Etappe 380 km hatte, die zweite "nur" 138. Probleme? Keine!

Auf der Höhe hinter Käshofen Blickrichtung Rosenkopf
Wir fuhren über Furpach, Kohlhof, Limbach und Altstadt vorbei am alten Zollhaus nach Homburg, mitten durch die City und dann über die Bergrennstrecke bis ins Lambsbachtal. Dort verließen wir aber die Hauptstraße und fuhren den Lambsbach hinauf, ich wollte den Jungs die Strecke vorbei an der Schlagberg-Hütte zeigen, die voll asphaltiert ist (wenn auch am Anfang ziemlich steil) und zur Höhenstraße in Käshofen führt.

Danach ging's ein wenig über die Höhe, ehe wir ins Wiesbachtal abfuhren. Nun nahm der Zug ein wenig Fahrt auf und wir traten einen gepflegten 36,3er Schnitt von Wiesbach bis Zweibrücken: 11,5 km bei leicht abfallendem Profil (-31 Höhenmeter) in 19:08. Danach wurden die Beine aber wieder hochgenommen!

Über Einöd, Wörschweiler, Limbach, Kohlhof und Furpach ging's dann wieder zurück nach Hause. Schöne Runde!

Samstag, 3. Juni 2017

#granfondo_2017_08 Verdun-sur-le-Doubs - Dommartin



Der Rest vom Schützenfest!

Die letzten 138 Kilometer meiner Fahrt zur Kommunion meines Patenkindes Alexis

Die Kirche in Baudrières
Was ich gestern begonnen hatte, vollendete ich heute. Gegen sieben Uhr wachte ich - auch ohne Wecker - nach einer Nacht tiefen und erholsamen Schlafes in meinem Hotelzimmer in der "Hostellerie Bourguignonne" auf, trocknete die Radklamotten, die nach der Wäsche gestern abend noch nicht zu 100% trocken waren, mit dem Fön und machte mich startklar - fürs Frühstück.

Das war reichlich und schmeckte vorzüglich, und so konnte ich um kurz nach neun Uhr den Rest der Strecke nach Dommartin in Angriff nehmen.

Der Plan versprach wenig Spektakuläres -  es sollte durch die Bresse gehen, eine natürliche Landschaft und ehemalige Provinz in Ostfrankreich von fast 4000 km², die sich von den Dombes im Süden bis zum Doubs im Norden und von der Saône im Westen bis zum Jura im Osten erstreckt. Sie hat in Nord-Süd-Richtung eine Ausdehnung von rund 100 km und in Ost-West-Richtung von etwa 40 km. Die Bewohner der Landschaft werden Bressans genannt (beziehungsweise die weiblichen Bewohner Bressanes).

Ein leckeres Fühstück erleichterte mir den Einstieg in den Tag
Im Wesentlichen ist die Bresse eine Ebene etwa 180 bis 220 m über dem Meeresspiegel mit einer leichten Neigung nach Westen. Die wichtigsten Flüsse, alles Nebenflüsse der Saône, sind die Seille, die Veyle und die Reyssouze - alle drei sollte ich im Lauf des Tages überqueren.

Die Landschaft neigt sich leicht nach Westen, der Saône zu - für mich bedeutete das relativ flaches Terrain, nur einigermaßen profiliert durch die Täler und Kämme zwischen den Flüßen und Bächen. Es rollte aber von Anfang an gut, trotz leichtem Gegenwind. Mein Sitzfleisch war noch belastbar - allerdings hatte der Gewaltritt von gestern doch seine Spuren hinterlassen, und ich fuhr öfter im Wiegetritt, als ich das eigentlich vorgehabt hatte...

Auf der rechten Seite, im Westen, sah man die Berge des Burgund - Chalon-sur-Saône konnte ich in der Ferne erahnen, ebenso wie später Mâcon.

An der Seille
Ab Simandre, so ab km 36, wurde die Strecke schnurgerade und wandte sich genau gen Süden. Der Gegenwind war spürbar, und in der Ferne sah ich erste Gewitterzellen. Bisher war ich ja vom Regen komplett verschont geblieben - sollte da so bleiben?

Nach 50 km überquerte ich die Seille, und nun hatte ich das Departement Saône-et-Loire verlassen und war im Departement "Ain", benannt nach dem gleichnamigen Fluss.

Zehn Kilometer später ging's über die Reysouzze, und das einzige Zwischenziel, das ich mir für heute gesetzt hatte, rückte langsam näher: Bâgé-le-Châtel ist ein kleines Dorf auf einer Anhöhe, das besondere ist der schöne, konzentrisch angelegte Dorfkern mittelalterlicher Herkunft mit einigen Resten der Stadtmauer und zwei Wachtürmen aus rotem Backstein.

Ortsmitte von Bâgé-le-Châtel
Also ich dort ankam (75 Kilometer hatte ich abgerissen, und der Schnitt war 27,9 km/h), suchte ich zuerst mal eine Gaststätte auf, um mich mit einem panaché (natürlich alkoholfrei!) zu erfrischen.

Und da passierte es: Beim Versuch, meine leicht verrutschte Satteltasche richtig zu justieren, flog mir die Halterung komplett auseinander. Ich sah auch, warum: Halterung und Tasche sind mit zwei Plastikdübeln verbunden, nur einen fand ich, den erkannte ich aber - genau so einen hatte ich gestern im Hotelzimmer gefunden und mich noch gewundert, was das sei.

Mist! Alle Versuche, die Halterung mit nur einem Dübel zusammenzubauen und wieder anzuflanschen, scheiterten. Aber der nette Wirt versorgte mich mit Schießdraht und einer Zange, und so konnte ich mir ein Provisorium basteln. Das kostete mich eine halbe Stunde Zeit.

Mit Schießdraht kann man alles flicken!
Als ich wieder vor die Kneipe trat, hatte sich die Wettersituation komplett verändert: Vor mir eine Gewitterzelle, hinter mir eine, und plötzlich kam der Wind von Norden - das hieß, ich hatte plötzlich Rückenwind!

Davon beflügelt, erhöhte ich das Tempo auf dem Weg zur Saône. Bei km 81 überquerte ich die Veyle, das Durchschnittstempo stieg auf 29,1 km/h, aber die Gewitter rückten immer näher.

Ich überwand den einzigen echten Hügel auf dieser Seite der Saône und kam durch Montmerle-sur-Saône, der Ort hat neben dem Berg auch eine Insel in der Saône zu bieten. 105 km waren absolviert.

Das Gewitter drohte nicht nur am Horizont - es kam auch
Auf dem Weg nach Jassan-Rottier erwischte mich der Regen dann doch, mehr noch: Als er zunahm, riss auch noch der Schießdraht zum ersten Mal, und ich mußte nach dem Schreck, weil ich aufgrund des Geräuschs der auf den Reifen fallenden Satteltasche schon glaubte, ich hätte einen Platten, auch noch notdürftig die Drähte neu verrödeln. Danach suchte ich mir einen Unterschlupf in einem Bushäuschen - weiterfahren war fast unmöglich.

Nachdem der Regen abklang, suchte und fand ich die Brücke über die Saône bei Saint-Bernard, und nachdem ich den Fluß zum dritten und letzten Mal überquert hatte, war ich schon fast auf der Zielgeraden. Ich unterquerte die Autobahn und erkannte das Signe infini der berühmten Künstlerin Marta Pan, das ich schon so oft gesehen hatte und das mir unmißverständlich klarmachte, dass ich bald da war.

Dritte und letzte Saône-Querung bei Anse
Es hatte wieder ein wenig stärker angefangen zu regnen, aber das machte jetzt auch nichts mehr aus. Ich fuhr auf der linken Uferseite der Azergues flußaufwärts und dann hinunter über den Fluß nach Civrieux-d'Azergues, von wo aus ich die letzte, hammerharte Steigung (mit ca. 30 Höhenmetern auf 300 Metern, also 10%) nach Dommartin in Angriff nahm.

Als ich oben war, war ich einfach nur noch glücklich. Der letzte Kilometer durch den Ort bis zu Anne, Pascal und den Kindern war ein Klacks.

Kurz nach 15 Uhr war ich dann da. Nach fast 5 Stunden Fahrzeit heute (18,5 insgesamt), einen Schnitt von 28,1 km/h (der Regen und das wellige Terrain am Schluß hatten noch ein wenig abgenagt) und insgesamt 518 km an zwei Tagen hatte ich mein Ziel erreicht.

Mein Patenkind und ich
Alle freuten sich sehr, vor allem Alexis, und ich musste viel erzählen. Kurz darauf war auch meine Familie da, die mit dem Auto angereist war.

Und abends war auch schon die Messe in der Kirche von Dommartin - ein wunderschöner Gottesdienst, fünf Kinder aus Dommartin gingen zur Kommunion, Alexis war der Hahn im Korb neben vier Mädchen!

Wir verbrachten zwei schöne Tage, hatten eine tolle Kommunionfeier und kehrten Sonntagsabends spät sehr glücklich zurück.

So was mach ich sicher nochmal! Die Fahrt war unbeschreiblich schön. Wie eingangs bereits erwähnt: Frankreich so zu erleben, ist etwas, was man mit Geld nicht kaufen kann. Ich hab schon einige Pläne im Kopf. Auf ein Neues!

Epilog:

Heute, am 23.06., erhielt ich Post von der Firma Ortlieb, dem Produzenten meiner Satteltasche. Ich hatte diese einige Tage nach meiner Rückkehr (am 13.06.) mit der Bitte um kulante Reparatur eingeschickt. Die Tasche ist wieder voll funktionsfähig, die beiden Spritzgussteile eingesetzt, alles wieder gut. So geht Kundendienst. Dickes Lob!




Freitag, 2. Juni 2017

#granfondo_2017_07 Neunkirchen - Verdun-sur-le-Doubs


Voyage, Voyage...


518 Kilometer mit dem Rennrad von Neunkirchen nach Dommartin - Tag 1

Wenn Rekorde purzeln, bleibt einem das in Erinnerung. Aber nur die nackten Zahlen (380 km an einem Tag hatte ich noch nie, der Rekord war - erst vor einigen Wochen - 239,3 km beim Schmelzer Möve-Marathon) allein sind es nicht, die diese zwei Tage unvergesslich machen. Es ist einfach das intensive Erleben der Landschaft, meiner Heimat, die nicht hinter Güdingen aufhört und auch vor Nationalgrenzen nicht haltmacht, sondern noch viele, viele Kilometer weiter geht, jedenfalls in meinem Herzen, und auch von Frankreich jenseits meiner gewohnten Umgebung.

Das bepackte grauschwarze Ross kurz vor der Abfahrt...
Es ist ja nun nichts Neues, dass man auf dem Rad von der Umgebung viel mehr mitbekommt als im Auto. Aber so, wie ich es jetzt erlebt habe, war es einfach herrlich.

Doch der Reihe nach: Diese Fahrt nach Dommartin bei Lyon zu unseren Freunden, den Doreaus, hatte ich eigentlich schon im letzten Jahr vorgehabt. Damals war ich aber gesundheitlich nicht in der Lage, sowohl die nötigen Fundamente im Training zu legen als auch eine solch lange Strecke am Stück zu fahren. Nun, aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

...und der Fahrer in froher Erwartung.
Als wir aber im Frühjahr die Einladung zur Kommunion meines Patenkindes Alexis erhielten, gab es für mich keinen Zweifel: Diesmal würde ich die Chance nutzen, mir diesen Traum zu erfüllen. Der Plan war, dass ich Freitags fahren würde, die Familie käme Samstags mit dem Auto. Zwar war ich bis Ende April recht wenig auf dem Rad unterwegs gewesen, aber durch meine Vorbereitung auf den Hamburg-Marathon hatte ich zumindest die Grundlagenausdauer, jetzt fehlte nur noch das radspezifische Training.

In den letzten Wochen nutzte ich daher jede Gelegenheit, insbesondere längere Strecken zu fahren. Was auf jeden Fall ein Glücksgriff für mich war: Dass ich einige Touren mit Roman Baltes fuhr, der nicht nur ein angenehmer Zeitgenosse ist, sondern auch vom Niveau her nicht allzu weit von mir entfernt (d.h., ich komme gerade noch so mit) und auch sehr erfahren in der Vorbereitung von längeren Fahrten, so genannten Brevets, ist. Den einen oder anderen Tip nahm ich begierig auf.

Kilometer 0,4 - noch war's stockduster
Klar war: Ich würde sehr früh am Morgen losfahren, zum einen, um die Morgenkühle noch auszunutzen, zum anderen aber auch, um für den Fall, dass alles optimal lief, zumindest theoretisch in der Lage zu sein, die gesamte Strecke an einem Tag zu bewältigen, ohne mitten in der Nacht bei meinen Freunden in Dommartin anzukommen. Ich hatte mir - vorsichtig, wie ich bin - mal einen Schnitt von 26 km/h vorgenommen. Wäre ich so also durchgefahren, ohne einmal zu halten, wäre ich um genau Mitternacht in Dommartin angekommen - soweit die Theorie.

Mit dem Wetter hatte ich natürlich wahnsinnig Glück. Auch wenn es ein sehr warmer Tag zu werden versprach, sollte es trocken bleiben – das war das Allerwichtigste.

An der Saar nach ca. 25 Kilometern - der Morgen graut...
Bei der letzten Vorbereitungsfahrt am Mittwoch, als wir die Auftaktetappe der Trofeo rund um den Höcherberg abgefahren waren, hatten die Jungs ordentlich draufgetreten. Ich hatte natürlich mitgezogen, aber dauerhaft über 240 Watt im Training waren dann doch ein wenig viel für meine Muskulatur, und ich spürte unten im Glantal bei Waldmohr, dass meine Waden richtig hart wurden. Da deuteten sich sogar erste Krämpfe an. Also tat ich am letzten Tag bzw. in den letzten Stunden vor der Abfahrt noch etwas für meinen Magnesiumhaushalt. Auch besorgte ich mir noch einige Ampullen Enduu, diese Muntermacher aus der Produktion des Neunkirchers Carsten Schulz haben mir gerade im Ausdauerbereich schon sehr oft geholfen. Soviel vorweg: Auch diesmal. Vier hatte ich dabei, am Ende war mir klar: Ich hätte besser acht mitgenommen.

Auf der Rue Jean Frédéric Lehmann in Sarreguemines
Das Taschenpacken am Donnerstag geriet ein klein wenig zu einer Wissenschaft. Was nimmst Du mit?

Auf jeden Fall einmal Badelatschen und eine kurze Laufhose beziehungsweise ein Funktionsshirt, um sich bei einem eventuellen Hotelaufenthalt nach der Dusche nicht noch einmal in die verschwitzten Radklamotten zwängen zu müssen.

Die Bekleidung ließ sich eingepackt gut an den Außenschnallen der Satteltasche befestigen.

Die Tasche selbst war dann voll mit Flickzeug, jede Menge Proviant in fester und flüssiger Form sowie zwei Akkupacks für die Beleuchtung beziehungsweise das Handy und den Garmin Edge 1000.

Sarralbe
Nach den Erkenntnissen, die ich aus der Analyse meiner Leistungsdaten gezogen hatte, wusste ich, dass ich mit einem Durchschnitt von ca. 200 Watt gut zurecht kommen würde, aber tunlichst vermeiden sollte, meine Körner zu früh zu verschießen, indem ich etwa Anstiege, die ich ja eigentlich total gerne mag, husarenmäßig in Angriff nehmen würde. Vorausgesetzt, ich bliebe hier vernünftig, sollten die Tanks dann doch reichen. Dachte ich mir.

Vorsichtshalber hatte ich mir ab Kilometer 300 circa alle 30 km eine mögliche Bleibe herausgesucht, die ich im Notfall würde anrufen und nach einem Zimmer fragen können.

Ich ging am Donnerstagabend also früh zu Bett und freute mich schon wahnsinnig auf den nächsten Morgen.

Die ersten 100 Kilometer: Von Zuhause bis ins Département Meurthe-et-Moselle


Um 3:20 Uhr klingelte dann der Wecker. Hätte er gar nicht gemußt, ich lag seit 3 Uhr ohnehin wach.

Die Vorfreude halt.

Am Saarkanal an der Brücke über die Albe
Da ich mir alles schon zurecht gelegt und das Rad abfahrbereit in den Hausflur gestellt hatte, konnte ich mir genügend Zeit für ein ausgiebiges und ordentliches Frühstück nehmen. Nach einer nochmaligen Überprüfung von Reifendruck, Akku-Ladestand der Shimano Di2-Schaltung und sonstigen Kleinigkeiten ging es dann um kurz nach 4:00 Uhr los.

Ich fürchtete mich ein wenig, als würde ich in das große Unbekannte starten, dabei waren wir die ersten 100 km der Strecke durchaus vertraut.

Den Saarkanal hinunter bis Gondrexange war ich jetzt wirklich schon sehr oft gefahren. Und auch heute Morgen lief es sehr gut. Ich hatte mir wie gesagt recht defensiv mal ein 26er Schnitt vorgenommen, aber gerade das Rohrbachtal hinab und dann entlang der Saar rollte es ausgesprochen gut, und so war ich schon nach circa einer Stunde und zehn Minuten in Sarreguemines und damit im Departement "Moselle".

Wunderschöner Sonnenaufgang über der Saaraue
Nahe der Mündung meines "Heimatflusses", der Blies, in die Saar hatte ich mich, um hier einige Kilometer zu sparen, entschlossen, über die "Rue de la  Montagne" und durch Roth und Hambach zu fahren, um so nach Sarralbe zu gelangen. Dann sollte es am Saarkanal entlang gehen.

Von den olfaktorischen Besonderheiten einer solchen Fahrt habe ich ja schon geschrieben. In Hambach öffnete gerade, als ich vorbeifuhr, eine Bäckerei ihre Pforten. Das roch so intensiv und gut, dass ich am liebsten halt gemacht hätte, um gleich mal ein Baguette zu verspeisen. Ich war jedoch vernünftig und fuhr weiter.

In Sarralbe angekommen ging es dann an den Saarkanal. Hier war es ziemlich kühl, das Thermometer zeigte einstellige Temperaturen, aber ich empfand das als sehr angenehm, zumal ich noch eine Windjacke trug.

9,8°C - und es wurde sogar noch etwas kühler...
Das Tolle am Saarkanal am frühen Morgen: Die zahlreichen Fischreiher betrachten Dich offenbar als einer der ihren und begleiten Dich die ganze Zeit - immer abwechselnd, wie eine Staffelmannschaft.

 Man kann es auf dem beigefügten Video richtig schön sehen. Das war wirklich ein ganz besonderes Erlebnis!

Ich hatte mittlerweile irgendwie auf Autopilot geschaltet und strampelte gleichmäßig meinen Stiefel runter, vorbei an Harskirchen, Mittersheim und dann entlang des "Schleusencountdowns" (nach dem Mittersheimer Weiher kommen die Schleusen fast im 500m-Abstand) in Richtung "Étang du Stock".


Auf dem Weg dorthin hatte ich kurz mal das Departement "Moselle" verlassen und war wenige Kilometer im Departement "Bas-Rhin" unterwegs gewesen...

Um kurz nach sieben war ich an der "Écluse No. 1" in Diane-Capelle. Hier machte ich meine erste richtige Pause.

In der Ferne kann man die Vogesen und den Donon sehen!
Ich cremte mich ordentlich mit Sonnencreme ein, frühstückte zum zweiten Mal und dehnte vor allem meine Wadenmuskulatur ordentlich. Die deutete aber überhaupt keine Probleme an, was mich sehr beruhigte.

Nun war der Tag aber auch endgültig angebrochen, es wurde warm, und ich verstaut die langärmelige Windjacke in der Satteltasche - für die nächsten 420 km, wie sich später noch heruasstellen sollte, war sie obsolet.

Ich verabschiedete mich vom Saarkanal, weiter ging es über die Ortslage von Diane-Capelle, Gondrexange, den Rhein-Marne-Kanal und ab in die hügelige Landschaft in Richtung Meurthe. Und ins gleichnamige Departement  "Meurthe-et-Moselle".

Die zweiten 100 Kilometer: Meurthe, Moselle, Coney bis Fontenoy-le-Château

Bei Gogney passierte ich die 100-km-Marke und fuhr weiter in Richtung Baccarat, das durch seine Kristallglasmanufaktur weit über die Grenzen der Region hinaus bekannt ist, um nach der Saar bei Güdingen und der Albe in Sarralbe den ersten größeren Fluß zu überqueren: Die Meurthe, einen Nebenfluß der Mosel (Moselle), der Nancy durchfließt und am nördlichen Ende der Stadt in den zweitgrößten Nebenfluß des Rheins (nach der Meuse, deutsch: Maas) mündet.

Der "Canal de la Marne au Rhin" bei Gondrexange
Auf dem Weg dorthin kam ich durch Blâmont und traf dort auf die Vezouze, einen Nebenfluß der Meurthe, der bei Luneville ca. 30 Kilometer weiter westlich mit dieser zusammenfließt.

Es ging einige Kilometer flußabwärts bis Domèvre-sur-Vezouze, wo ich nach Süden abbog und mich daran machte, die Wasserscheide zur Meurthe zu überqueren.

Diesen Teil der Strecke kannte ich: Vor vielen Jahren bei den regelmäßigen Ausflügen des SPD-Ortsvereins Schwarzenholz an die Skihütte des TV Püttlingen in Ventron in den Südvogesen waren wir öfter hier entlanggefahren.

Hurra, hurra, die Saarländer sind da!
Da überholte mich ein Auto mit Neunkircher Kennzeichen, kurz danach hielt es vor mir an. Mir war klar, dass das Radfahrer waren, und ich hielt an, um ein wenig mit Ihnen zu plaudern. Einen der Insassen kannte ich, es war Christian Alt, der mit zwei seiner Kollegen unterwegs war, um ein wenig die Vogesen zu erkunden. Die Jungs wünschten mir Glück, dann ging es auch schon weiter.

Ich durchfuhr die hügelige Landschaft in Richtung Baccarat, links hatte ich immer die Vogesen im Blick. Es ging durch Montigny und Merviller und danach noch ein wenig bergan, ich stoppte kurz zur Nahrungsaufnahme, und dann war ich auch schon auf der kurzen Abfahrt in Richtung Baccarat, unter der über eine hohe Brücke führenden N59 hindurch und dann gings nach links in den Ort und an die Meurthe. Ich überquerte den Fluß und genoß die Aussicht.

Kurz vor Baccarat
Nun kam ein doch schon etwas fordernder Anstieg aus dem Tal der Meurte hinaus: Knapp drei Kilometer lang, beständig steigend mit 100 Metern Höhendifferenz.

Ich ließ es ruhig angehen, trat 190 Watt im Schnitt und war nach knapp zehn Minuten oben am "Col de la Pêche" - mit richtigem Col-Schild, das 370m über N.N. auswies!

Hier verließ ich auch das Departement "Meurthe et Moselle" und kam ins Departement "Vosges".

Danach ging's runter ins Tal der Belvitte, eines Nebenflußes der Mortagne, die ich nach der Überwindung einer weiteren Hügelkette in Rambervillers erreichte - mittlerweile standen schon 140 km auf dem Tacho.

Baccarat und die Meurthe
Aber dankenswerterweise konnte ich in einem Blumenladen gegenüber der Kirche meine Trinkflaschen auffüllen und schon ging's weiter auf der D46 über die nächsten Hügel, durch Vomécourt, Padoux, Sercœur und Longchamp ab hinein in die Departementhauptstadt Épinal. Wäre ich hier auf der D46 geblieben, anstatt links abzubiegen, wäre ich direkt auf den Canal des Vosges gestoßen, der über die europäische Hauptwasserscheide hinüber in das Nebental der Saône führt, das ich später auf anderem Weg erreichen sollte.

So aber kam ich über die parallel verlaufende D420 mitten in Épinal an, erblickte die Mosel und machte in der Innenstadt eine Mittagspause mit einem alkoholfreien panaché und einem Sandwich, ehe ich den Anstieg aus dem Moseltal hinaus durch den Stadtteil Chantraine in Angriff nahm.

In Épinal an der Mosel
Knapp drei Kilometer, ca. 125 Höhenmeter, dann war man auf einer Art Hochplateau, der Vôge, wo ich auf welligem Terrain überall nach einem Hinweis auf die europäische Hauptwasserscheide suchte, die ja hier irgendwo sein musste.

Auf ihr lag auch gleichzeitig der höchste Punkt meiner gesamten Fahrt. Tatsächlich lag dieser Punkt genau bei km 173 meiner Tour auf der D51 200 Meter südlich des kleinen Dörfchens Renauvoid auf ca. 460m über N.N..

Rechts von der Straße entspringt die Avière, die der Mosel zufließt, links davon der Ruisseau des Colnots, der dem Côney, dem ersten nennenswerten linken Nebenfluß der Saône, zufließt.

Am Canal des Vosges
Kurz danach überquerte ich den Ruisseau des Colnots auch zum ersten Mal, und nach einem letzten Anstieg ging's in eine längere, ziemlich gerade Abfahrt, die im Tal des von links kommenden Côney endete: Nun war ich am Canal des Vosges angekommen. Ich hätte mir 60 Höhenmeter sparen können, wenn ich unten in Épinal der D46 und dem Kanal schon aus dem Moseltal heraus gefolgt wäre, aber so war's auch schön. Den Kanal komplett fahr ich aber auch irgendwann mal!

Ich bog nun links ab und folgte dem Kanal. Wäre ich auf der anderen Seite das Tal wieder hochgefahren, wären es nur noch 13 km über die D3 nach Vioménil gewesen, wo die Saône entspringt (Luftlinie nur 9 km).

Die Landschaft hier ist wirklich wunderschön. Das Hochtal des Côney ist bewaldet, aber auf den angrenzenden Wiesen blühen tolle und bunte Blumen, und die Rindviecher wirken echt glücklich.

Der Côney begleitet den Canal des Vosges und speist ihn auch
Jetzt rollte es aber! Meine Durchschnittsgeschwindigkeit war wenige Kilometer vorher noch mit 27,8 km/h auf dem tiefsten Punkt angekommen, nun aber wuchs sie ständig:

Denn auf den ersten 15 Kilometern ab Erreichen des Kanals trat ich wie befreit in die Pedale, fand einen runden Tritt und konnte - dank der nun überwundenen Wasserscheide - mit etwas über 200 Watt Einsatz einen schönen 31er-Schnitt fahren!

Nach etwas mehr als 200 gefahrenen Kilometern kam ich dann gegen 12:30 Uhr in Fontenoy-le-Château an, wo ich kurz anhielt, weil mein Telefon klingelte...


Die dritten 100 Kilometer: Von Saône zu Saône, mit viel Auf und Ab und jeder Menge Sonne

 

Fontenoy-le-Château
200 Kilometer - das ist schon ein Brett, nur noch 40 km von meiner bisherigen Höchstleistung entfernt. Aber ich fühlte mich erstaunlich fit, weder am Hintern noch an den Füßen hatte ich Schmerzen, und auch, wenn es ein bisschen warm war für meinen Geschmack - das Thermometer zeigte deutlich über 30 °C an - konnte ich überhaupt nicht klagen, zumal der Wind kaum zu spüren war.

Am Telefon war übrigens der Pressesprecher meiner Verwaltung mit der Bitte, mich mal beim SR zu melden, die wollten ein Interview mit mir machen.

Ich probierte es gleich, erreichte aber niemanden, dafür klingelte mein Telefon einige Minuten später. Ich hatte kurz das Tal des Côney verlassen, weil an der Stelle kein Weg am Kanal vorbeiführte, und befand mich auf einer Anhöhe hinter Ambiévillers auf der D434, wo ich kurz Rast machte.

Hinter Ambiévillers vor der erneuten Abfahrt zum Kanal
Genau hier endete übrigens das Departement "Vosges", jetzt war ich im Departement "Haute Saône". Mit Marc Weyrich führte ich dann ein nettes Interview.

Danach ging's weiter, nach einer kurzen Abfahrt war ich wieder am Canal des Vosges und ca. 20 km später kam ich dann zum ersten Mal an die Saône, die an der Stelle, wo der Côney ihr zufließt, gerade mal 55 km jung ist, also noch 425 vor sich hat, bevor sie in Lyon in die Rhone mündet.

221 km hatte ich nun. Noch 19, dann würde der neue Rekord stehen! Ich weiß nicht, ob es diese Einsicht war, aber just in dem Moment meldeten sich erstmals meine Füße mit noch zarten Protestrufen.

Die noch junge Saône kurz vor der Aufnahme des Côney
Es war nun auch so richtig heiß, und langsam wurde es mühsam, zumal hier im Saône-Tal nun, da ich dem Fluß, der nach Südosten floß, nicht mehr folgte, sondern statt dessen den kürzeren, geraderen Weg nach Südwesten nahm, einige Nebenflußtäler mit entsprechenden Hügelketten auf mich warteten.

Und es waren deren einige - zwischen La Gare und Jussey überquerte ich die Amance,in Montigny-lès-Cherlieu die Ougeotte, in Fouvent-le-bas den Vannon, in Achey den Salon.

Zwischen Jussey und Montigny-lès-Charlieu war es dann soweit: Der Tacho zeigte 240 km an, und mein neuer Streckenrekord für eine Eintagesfahrt stand - und sollte noch wachsen.

Suaucourt-et-Pisseloup bei km 258
Aber nun wurde es auch beschwerlich. Der Planet brannte, ich war schon ein wenig müde, und das ständige Auf und Ab zehrte auch ein wenig an meinen Nerven. Da nutzte auch die Schönheit der Landschaft wenig.

So legte ich ab und an kurze Pausen ein, um zum einen meine Trinkwasserflaschen regelmäßig aufzufüllen (ich trank ca. 0,8 Liter auf 20 Kilometern).

In Achey machte ich auch eine längere, weil ich in der Dorfmitte einen mittelalterlichen Waschplatz fand, der zum einen überdacht war, zum anderen nicht nur einen Frischwasserbrunnen, sondern auch ein großes Becken mit kaltem Wasser hatte, wo man Arme, Beine und vor allem Füße schön abkühlen konnte. Perfekt! Danach fühlte ich mich wie neugeboren.

In Achey war so etwas wie ein Jungbrunnen...
Mein Zeitplan war nun aber schon ein wenig durcheinandergeraten: Durch die Trink- und Abkühlpausen (die aber wirklich auch notwendig waren) hatte sich meine voraussichtliche Ankunftszeit in Dommartin trotz eines fast um zwei km/h höheren Schnitts als geplant bereits auf 01:00 Uhr in der Nacht verzögert.

So lange wollte ich die Doreaus aber nicht warten lassen, einen Tag vor der Kommunion. Dann doch lieber zwischen km 350 und 400 Pause gemacht und morgen den Rest gefahren!

Weiter ging's über die Nebenflüße der Saône: In Oyrières und Auvet-les-Chapelottes überquerte ich verschiedene Bäche des Bachsystems der Ecoulottes. Dann ging's in Richtung Talmay: Mittlerweile waren 300 km absolviert! Raus aus dem Departement "Haute Saône", rein ins Departement "Côte-d'Or"...

km 300 - km 380: Ab jetzt flach, etwas kühler und erträglich - mit der "zweiten Luft"

 

Brücke über den Salon hinter Achey
In Talmay, wo ich eine weitere Pause machte, fuhr ich über die Vingeanne, in Vonges über die Bèze, (ein sehr interessanter Fluß, der sich teilweise aus den versickernden anderen Nebenflüßen der Saône in der Gegend, namentlich der Tille und der Venelle, speist und aus einer großen Karstquelle austritt) in Champdôtre über die Tille und in Trouhans über die Ouche.

Seit Talmay (wo ich leider nach der Pause vergaß, meinen Tacho wieder zu starten, und deshalb 10 km ohne Zähler fuhr, was nach der Heimkehr sehr mühselige und langwierige Reperaturarbeiten an der FIT-Datei erforderlich machte) war trotz der vier recht großen Flüße, die ich querte, das Terrain schon sehr flach, es gab kaum Steigungen.

Landschaft gab's jede Menge auf der Fahrt!
So kam ich doch noch ganz gut voran - und schließlich doch wieder an der Saône an, nämlich in Saint-Jean-de-Losne, wo die Saône schon zu einem richtig stattlichen Strom herangewachsen ist.

Es war mittlerweile 19.30 Uhr, die Temperatur war auf erträgliche 26° C gesunken, und ich gönnte mir ein weiteres kühles Erfrischungsgetränk in einer netten Kneipe am Quai national.

Ich hatte zwischenzeitlich mit einem Hotel in Verdun-sur-le-Doubs ein Arrangement getroffen und den ersten möglichen Übernachtungspunkt - eben Saint-Jean-de-Losne - verworfen.

Letzte Erfrischung - Saint-Jean-de-Losne am Quai national
Ich war jetzt ja schon ein Stück südlich von Dijon und die Atmosphäre war schon fast mediterran. Mein persönliches "Tal der Tränen" lag lange hinter mir - seit es endlich etwas flacher wurde und ich wieder mit ungefähr 30 km/h meinem Ziel entgegenfuhr, ging es mir auch wieder besser.

Was auch viel ausmachte - es war einfach nicht mehr so heiß. Ich genoß mein "panaché" und futterte noch einige der übergebliebenen Riegel, froh, dass mich im Hotel ein richtiges Abendessen erwartete.

Der nette Mann an der Rezeption hatte mir versprochen, dass alles bereit sei, wenn ich käme, ich solle nur eine halbe Stunde vorher anrufen. Perfekter Service!

Brücke über die Saône
Die Aussicht darauf trieb mich auch an: Nach der Überquerung der Saône (es sollte die zweite und auch die zweitletzte sein, aber für den heutigen Tag die letzte) fuhr ich auf flachem Terrain und mit einem fast konstanten 30er-Schnitt, die letzten 15 Minuten sogar mit einem 32er, dem Ziel entgegen.

Wenn das nicht noch die zweite Luft war, war es eben die dritte - egal.

Ich fühlte mich toll, und ich hätte sogar noch weiterfahren können - auf der anderen Seite war ich echt froh, jetzt meine Pause zu bekommen.

Zwischendurch mal wieder ein Departementwechsel: Raus aus "Côte-d'Or", rein in "Saône-et-Loire". Nachteil der Fahrt in der aufkommenden Kühle und der nahenden "blauen Stunde": Mücken waren reichlich unterwegs, und mit gut 30 km/h und eingecremten Beinen bleibt da so einiges hängen...

Nach 380 km: Verdun-sur-le-Doubs
Kurz nach 21 Uhr war ich dann auf der Brücke über den Doubs, den größten Nebenfluß der Saône, und unmittelbar danach in der "Hostellerie Bourguignonne", einem schicken Hotel mit tollem Flair, nettem Personal und einer hervorragenden Küche.

Ich checkte ein, mein Rad wurde sicher in der Hauswäscherei verstaut, ich meldete mich bei der Familie und genoss eine gute Dusche und danach ein hervorragendes Abendessen.

Beim Aufräumen in meinem Zimmer fand ich dann ein kleines schwarzes Stück Plastik, von dem ich nicht wusste, was es darstellte. Es sollte noch eine Rolle spielen!

Meine Herberge für eine Nacht - fürstlich!
Meine Bevorratung war ganz gut aufgegangen, nur mit dem Getränkepulver war's knapp.

Aber ich hatte noch zwei Enduu-Ampullen, eine würde ich morgen nach dem Frühstück zu mir nehmen, die andere während der Fahrt in einer Flasche auflösen.

Ich glaube, dass ich einschlief, als mein Kopf das Kissen berührte. Unter Umständen auch einige Zehntelsekunden vorher. Jedenfalls schlief ich wie ein Baby...