Dienstag, 26. August 2014

Col de la Forclaz

Col de la Forclaz von joaum bei Garmin Connect – Details

Kurz, hart, intensiv

Schon im letzten Jahr, aber auch dieses Jahr hatte ich mich beim Blick von unserem Campingplatz hoch auf den Bergzug auf der anderen Seeseite immer gefragt: Was ist das wohl für eine Berghütte dort oben, wo die Paraglider starten? Nachdem ich rausgefunden hatte, dass das der "Col de la Forclaz" ist und man ihn mit dem Rennrad super erreichen kann, war klar: Da musste ich hoch!

Schon bei km eins war klar: Das wird kein Spaziergang!
Heute hatte es den ganzen Tag geregnet. Wir verbrachten den Großteil des Tages in der Altstadt von Annecy, nachmittags kamen wir zurück und es hörte kurz zu regnen auf. Also auf aufs Velo und hoch Richtung Faverges, nach fünf km ging es links ab in Richtung des Passes.

Dieser beginnt direkt am Ortsausgang von Vesonne gleich mal mit einer heftigen Ansage: 11% auf dem ersten Kilometer, 10% auf dem zweiten - nur, damit da keine falschen Vorstellungen aufkommen. So war ich schon nach sieben km, fünf davon flach, so richtig auf Betriebstemperatur.

Das kleine Bergdörfchen Mont Bogon hatte ich links liegenlassen und war in ein kleines Nebental, immer auf der "Route de Montmin", abgebogen. Unablässig zog sich die Passstraße auf einer größtenteils geraden Route nach oben, man hörte einen kräftigen Bergbach rauschen, erst nach vier km wurde sie kurz etwas flacher, um dann aber umso heftiger wieder anzusteigen.

Kurz vor Montmin: Blick zurück ins Tal
Ich war längst am Limit, kämpfte aber wild entschlossen - nach dem Studium der online auffindbaren Passbeschreibungen hatte ich mir eine Zeit unter 40 Minuten vorgenommen, und außerdem freute ich mich auf das versprochene grandiose Panorama.

Bis in den Ort Montmin bei Kilometer sieben bleibt die Steigung brutal hart. Kurz vor dem Ortseingang sieht man links die Passhöhe und die Straße dorthin.

Im Ort wird's dann erst flach, dann folgt sogar eine kleine Abfahrt, auf der man die Beine durchschütteln und Schwung für die letzten beiden Kilometer holen kann. Der zweitletzte geht noch so (7%), der letzte aber haut mit 11% wieder richtig rein.

Blick vom Col zurück Richtung Montmin; rechts mit dem
Blechdach die "Alpage" - die scheinbare Passankunft...
Völlig ausgepumpt erreichte ich schließlich die Passhöhe. Ca. 500 Meter vor dieser und dem Schlußanstieg gibt's für Unerfahrene noch einen fiesen Psychotrick: Man sieht eine Kurve, hinter dieser ein Haus, und denkt, man sei oben. Weit gefehlt: Die "Alpage", ein kleines Restaurant, steht unten am Beginn des finalen Anstiegs, der nochmal mit 11% schnurgerade zum Pass führt.

Oben angekommen, wurde ich mit grandiosen Panoramablicken über den Lac d'Annecy und die Gegend darum belohnt.

Gerade das wechselhafte Wetter machte es besonders reizvoll: Wolken umspielten die Berggipfel bzw. hingen über dem See oder auf halber Höhe - trotzdem war die Fernsicht gut.

Dieses Panorama braucht man eigentlich nicht zu kommentieren, oder?
Später zuhause beim Blick auf die Strava-Liste sah ich, dass ich mein Ziel erreicht hatte: 39:09 hatte ich gebraucht, damit bin ich ungefähr auf 290 von über 1300 Fahrern. Listen-KOM ist kein geringerer als Thibaut Pinot (26:38). Meine "handgestoppte" Rundenzeit ist leicht verfälscht, weil ich nicht am Beginn des Passes, sondern bereits am Ortseingang von Vesonne "abgedrückt" hatte.



Ich blieb ca. 15 Minuten dort oben, dann stürzte ich mich in die schnelle Abfahrt Richtung Talloires. Aber mit gebremstem Schaum: Zum einen war die Straße nass, zum anderen bin ich nach meinem Sturz Anfang Mai vorsichtig geworden.

Der Blick mag grimmig sein - ich war aber auch fertig...
Safety first - so kam ich nach 10 km in einer knappen Viertelstunde unten am See an (die letzten 3 km der Abfahrt schüttete es wie aus Eimern).

Kurz hinter Talloires wurde der Regen immer heftiger. Mir war das egal: Zum einen waren es eh nur noch sechs km bis nach Hause, zum anderen ist man eh voller Endorpine und da macht einem das bisschen Regen auch nix mehr aus.

Ich fuhr also glücklich wieder auf Seehöhe.

Danach ging's flach am linken Seeufer Richtung "Bout du Lac" und zurück auf den Campingplatz. Richtig intensive eineinhalb Stunden waren das - in jeder Hinsicht!

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